Ein Fenster zur Welt, ein Blick auf die Bahamas

Weltweit treffen sich jeweils am ersten Freitag im März Frauen, Männer und Kinder zur ökumenischen Feier des Weltgebetstages, dieses Jahr vorbereitet von Frauen aus den Bahamas.

Traumstrände, Korallenriffe, glasklares Wasser: Das bieten die 700 Inseln der Bahamas. Sie machen den Inselstaat zwischen den USA, Kuba und Haiti zu einem touristischen Sehnsuchtsziel. Die Bahamas sind das reichste karibische Land und gehören zu den hochentwickeltsten Ländern weltweit. In der sozialen Entwicklung und bei der Gleichstellung von Frauen und Männern schneiden sie im internationalen Vergleich recht gut ab. Auf den Bahamas sind so z. B. sehr viel mehr Frauen in den mittleren und höheren Führungsetagen zu finden als in der Schweiz. 

Weltgebetstag 2015

Viel Sonne und viele dunkle Schatten

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Aber es gibt auch Schattenseiten im karibischen Paradies: Die Bahamas sind extrem abhängig vom Ausland (besonders vom Nachbarn USA) und erwirtschaften über 90% ihres Bruttoinlandsprodukts im Tourismus und in der Finanzindustrie. Der Staat ist zunehmend verschuldet; zweifelhafte Berühmtheit erlangte er als Umschlagplatz für Drogen und Standort für illegale Finanz-Transaktionen. Auch der zunehmende Rassismus gegen haitianische Flüchtlinge sowie Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten kennzeichnen die Kehrseite der Sonneninseln. Rund 10% der Bevölkerung sind arm, es herrscht hohe Arbeitslosigkeit und gut Ausgebildete wandern ins Ausland ab. Erschreckend hoch sind die Zahlen zu häuslicher und sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder. Die Bahamas haben eine der weltweit höchsten Vergewaltigungsraten. Und jede vierte Mutter auf den Bahamas ist jünger als 18 Jahre.

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe?"

Sonnen- und Schattenseiten ihrer Heimat – beides greifen die Weltgebetstagsfrauen in ihrem Gottesdienst auf. Sie danken darin Gott für ihre atemberaubend schönen Inseln und für die menschliche Wärme der bahamaischen Bevölkerung. Gleichzeit wissen sie darum, wie wichtig es ist, dieses Geschenk Gottes engagiert zu bewahren. In der Lesung aus dem Johannesevangelium (13,1–17), in der Jesus seinen Jüngern die Füsse wäscht, wird für die Frauen der Bahamas Gottes Liebe erfahrbar; eine Liebe, die sie in ihrem oft trostlosen Alltag immer wieder durch die Schönheiten ihres Landes und die gelebte Gemeinschaft untereinander in Erinnerung rufen und selber leben.  

Gebet und Solidarität

Der Weltgebetstag 2015 ermuntert uns dazu, Kirche immer wieder neu als lebendige und fürsorgende Gemeinschaft zu (er)leben. Ein spürbares Zeichen dieser weltweiten solidarischen Gemeinschaft wird beim Weltgebetstag auch mit der Kollekte gesetzt. Sie unterstützt Frauen- und Mädchenprojekte auf der ganzen Welt; darunter ist auch die Arbeit des Krisenzentrums in Nassau, der Hauptstadt der Bahamas. Unter dem Motto „Lasst uns reden" lanciert dieses eine umfassende Medienkampagne zur Bekämpfung von sexueller Gewalt. Dabei werden auch Jugendliche zu „Champions for Change" (d. h. zu Meistern der Veränderung) ausgebildet, die in den Schulen ihre KollegInnen für die Thematik sensibilisieren und wenn nötig intervenieren.

Folgen Sie der Einladung aus den Bahamas

Schauen Sie in der Agenda Ihrer Pfarrei oder Seelsorgeeinheit nach, wann bei Ihnen oder in der Umgebung der Weltgebetstag gefeiert wird und lassen Sie sich auf diese Erfahrungen und Visionen der Frauen der Bahamas ein.

Rita Pürro Spengler

Katholischer Frauenbund Deutschfreiburg

Publiziert: März 2015