„Niemand soll in Krankheit und im Sterben alleingelassen werden“

WABE – das steht für Wachen und Begleiten. Am Krankenbett daheim, im Alters- und Pflegeheim oder im Spital begleiten die Aktivmitglieder der Vereinigung seit 1989 schwerkranke und sterbende Menschen. Regelmässig bietet die WABE Grundkurse an, die Voraussetzung sind für alle, die diese Tätigkeit aufnehmen wollen, aber auch an jene gerichtet ist, die sich mit den Themen Gesundheit, Krankheit und Sterben intensiver auseinandersetzen wollen.

Schon auf den ersten Blick sind die Frauen und Männer der WABE erkennbar, wenn sie zu einer Nachtwache gerufen werden. In der Tasche mit dem WABE-Aufdruck befindet sich alles, was sie für einen Einsatz brauchen: Der Ordner mit Adressen von Ärzten, Pfarreien und anderen Aktivmitgliedern, Texte zum Vorlesen – denn die Nächte können lang werden –, Einweghandschuhe, Taschentücher. Auf einem der Zettel ist zu lesen, was zu tun ist, wenn der zu betreuende Mensch während der Wache stirbt.

„Die Einsätze sind so unterschiedlich und vielfältig, wie die Menschen selber", erklärt Ingrid Aebischer aus Bösingen, die seit März 2013 Präsidentin der WABE Deutschfreiburg ist. Sie selber hat 2010 den Grundkurs der WABE absolviert und als Aktivmitglied viele Einsätze erlebt. „Manche Menschen möchten gehalten werden, andere mögen keine Berührungen. Manchmal gibt es lange Gespräche und dann wieder Nächte, in denen niemand spricht." Lebendig in Erinnerung bleibt auch der Einsatz einer Kollegin im Kantonsspital, bei dem diese mit der betroffenen Frau viele alte Lieder gesungen habe. „Die Leute kamen vom Flur ins Zimmer, um zu schauen, was dort vorgeht. Am Ende haben sie zusammen dreistimmig gesungen."

„Gspürig sein"

Der Einsatz verlangt viel Einfühlungsvermögen. Das Zuhören und Da-Sein steht im Vordergrund, um so auf die Wünsche der Betroffenen, aber auch der Angehörigen eingehen zu können.

„Zur Zeit", so die ehemalige Präsidentin Madeleine Gauch aus Giffers, „haben wir 71 Aktivmitglieder – 18 aus dem See- und 53 aus dem Sensebezirk." Hauptberuflich sind sie Lehrer, Landwirte, Coiffeure, Psychologen, Menschen aus

Pflegeberufen usw. Die Jüngste ist 37. Die meisten von ihnen wurden schon persönlich mit dem Thema Sterben konfrontiert und bringen einige Lebenserfahrungen mit. Viermal im Jahr treffen sie sich zum Austausch und einmal im Jahr zur Weiterbildung.

Vermittlung von Einsätzen

2569 Stunden waren die WABE-Aktivmitglieder im letzten Jahr im Einsatz. Die Anfrage geschieht durch Privatpersonen oder Pflegepersonal an die Kontaktpersonen Madeleine Keller (026 494 01 40) und Barbara Spring (026 494 01 40). „Oft können wir noch für den gleichen Abend eine Begleitung organisieren. Für eine längerfristige Planung sind wir aber immer dankbar", so Madeleine Gauch.

Begleitung unabhängig von Finanzkraft

Der WABE Einsatz ist für die Betroffenen kostenlos und die Aktivmitglieder erhalten nur eine kleine Aufwandsentschädigung und Kilometergeld. Die Vereinigung finanziert sich vor allem durch Spenden und Kollekten von Pfarreien, Vereinen, Firmen oder Privatleuten. Daneben gibt es auch Passivmitglieder, die einen jährlichen Beitrag spenden. „Unser Dienst soll es ermöglichen", erklärt Madeleine Gauch, „dass niemand in Krankheit und Sterben verlassen und vergessen seinen Weg gehen muss."

Regelmässige Grundkurse

Regelmässig finden Grundkurse statt. Mit Rollenspielen, der Einübung praktischer Fertigkeiten und einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit den Themen Gesundheit, Krankheit und Sterben sollen die TeilnehmerInnen sensibilisiert werden für den Einsatz am Krankenbett.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.wabedeutschfreiburg.ch

Christina Mönkehues

Publiziert: Juni 2013