Erste Hilfe für die Seele

Ein tragischer Unfall, ein plötzlicher Tod oder der Suizid eines geliebten Menschen lässt die Angehörigen oft hilflos und fassungslos zurück. Ein erster Anker möchte die Notfallseelsorge sein, die das Gespräch mit den Hinterbliebenen sucht. 2004 wurde die Notfallseelsorge See (heute: «Care Team») gegründet, seit dem 1. September 2010 gibt es auch die Notfallseelsorge Sense.

Der Pikettdienst der Notfallseelsorge Sense ist direkt an die Ambulanzzentrale (144) angeschlossen und die zehn ehrenamtlichen, reformierten und katholischen NotfallseelsorgerInnen des Teams übernehmen jeweils für eine Woche die Einsatzbereitschaft. 2013 wurden sie zu 13 Einsätzen gerufen. Vor allem Menschen aus Sozial- und Pflegeberufen sowie kirchliche Seelsorger engagieren sich im Team, das von Jean-Marie Juriens, Pfarrer von Gurmels, geleitet wird.

«Den Alarm erhalten wir über eine SMS», berichtet der Pfarrer. Bei einem kurzen Telefonat mit der Ambulanz oder der Ambulanzequipe erfahre man den genauen Einsatzort und schon ein paar Informationen darüber, was vorgefallen sei. Innerhalb von 30 Minuten sei der Notfallseelsorger vor Ort, wo er sich beim Einsatzleiter melde, Absprachen treffe und dann zu den Betroffenen gehe.

Gerade die erste Begegnung verlangt viel Fingerspitzengefühl. «Nach einem kurzen Vorstellen und einer ersten Kontaktnahme schaue ich mich erst einmal kurz um: Wer ist anwesend? Wie gehen die Personen miteinander um? Wie ist das Umfeld? Danach suche ich nach einem Ort, an dem sich alle Betroffenen wohl fühlen können und lasse mir schildern, was genau passiert ist.» Das helfe nicht nur der eigenen Einschätzung, sondern sei manchmal schon ein erster Schritt aus dem Schock hinaus. Die Begleitung reicht von den praktischen Antworten darauf, was weiter passieren wird, bis zu ersten Schritten der Verarbeitung des Geschehenen.

Sprachfähig werden durch Symbole

Hilfe bietet dabei der Notfallkoffer, den sich jede /r NotfallhelferIn selbst zusammenstellt. Im Koffer von Jean-Marie Juriens finden sich Plüschtiere und Fingerpuppen für Kinder, Steine und Schutzengel für Erwachsene. «Manchmal braucht man einfach etwas zum Festhalten.» Auch Kerzen mit unterschiedlichen Symbolen können ein erstes Gespräch eröffnen, wie die Kerze mit der Sonne über die Sonnenstunden,
die man mit der verstorbenen Person erleben durfte. «Das Wichtigste ist aber das Zuhören», sagt Jean-Marie Juriens. «Man muss hören, was die Menschen in dieser Situation brauchen. Man muss der Trauer den ihr gebührenden Platz einräumen.»

Eine anspruchsvolle Aus- und Weiterbildung

Diese Begleitung von Menschen in Krisenzeiten verlangt von den NotfallseelsorgerInnen viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis. Neue NotfallseelsorgerInnen, die immer wieder gesucht werden, müssen Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mitbringen, psychisch stabil sein und sich gut auf unkalkulierbare Situationen einstellen können. Nach vier Orientierungsabenden mit Jean-Marie Juriens
beginnt eine einjährige Probephase, in der erfahrene Notfallseelsorger zukünftige Notfallhelferinnen und -helfer begleiten. Danach schliesst sich dann ein obligatorischer Grundkurs in Psychologischer Nothilfe des Bundesamtes für Bevölkerungsschutzes
an. Auch jährliche Weiterbildungen werden besucht. Finanziell getragen wird die Notfallseelsorge durch Beiträge der katholischen kirchlichen Körperschaft im Kanton Freiburg (kkK), sowie durch Kollekten und Spenden.

Konto: Notfallseelsorge Sense; Sparkasse Sense
1712 Tafers; Konto: CH77 0618 6560 0175 8750 1

Christina Mönkehues

Publiziert: Juni 2014