Für eine Kirche mit den Frauen

„Viele Frauen fühlen sich in unserer Kirche fremd, nicht ernst genommen oder unwillkommen, weil sie zu wenig in verantwortlichen Gremien eingebunden werden oder an Entscheidungsprozessen kaum beteiligt sind”, so die Vertreterinnen und Vertreter des Projekts „Für eine Kirche mit den Frauen”. Mit einem Pilgerweg nach Rom möchten sie ein Zeichen für eine Kirche setzen, welche die Stimmen und Ansichten von Frauen ernst nimmt.

Rom

Ehe, Familie, Partnerschaft – diese Themen standen im letzten Oktober bei der Synode in Rom im Zentrum. Nicht nur Bischöfe waren bei diesem wichtigen Anlass anwesend und stimmberechtigt, sondern auch Vertreter von Orden. Doch, so kritisierte schon damals der deutsche Benediktinerabt Jeremias Schröder, unter den 270 stimmberechtigten Teilnehmern der Synode war keine einzige Frau. Die Union der Ordensoberen habe zunächst erwogen, die Hälfte dieser Plätze an Frauenorden abzugeben, berichtete Schröder. Man sei jedoch zu der Ansicht gelangt, dass sie „nicht unsere Plätze, sondern eigene Plätze" wollten. Zwar waren drei Vertreterinnen von Frauenorden an der Synode präsent, aber in ihrer Rolle als „Auditorinnen” hatten sie nur ein eingeschränktes Rederecht vor dem Plenum und konnten nicht über die Beschlusstexte der Synode mit abstimmen.

Zeichen setzen und Dialoge anstossen

Es sind Situationen wie diese, die schmerzen, und die eine bunt gemischte Gruppe von Pilgerinnen und Pilgern sowie eine Arbeitsgruppe dazu motiviert hat, ein Zeichen zu setzen und mehr Mitbestimmung für Frauen zu fordern. Im Rahmen des Projekts „Für eine Kirche mit den Frauen” nehmen daher sieben Frauen  und ein Mann ab dem 2. Mai 1'000 km Weg auf sich und wandern von St. Gallen nach Rom. Dort wollen sie zwei Monate später, am 2. Juli, beim Papst ihr Anliegen platzieren. Ob sie den Papst persönlich treffen werden, ist noch offen, aber das Kernteam ist hoffnungsvoll und hat auch schon die Zusage erhalten, im Petersdom einen Gottesdienst feiern zu können.
„Wir wünschen uns, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion einerseits und über die Belange der Kirchen im Allgemeinen andererseits nachdenken und entscheiden", so die Pastoralassistentin und eine der Hauptinitiantinnen Hildegard Aepli. Es ist nicht ein einzelnes Ziel, das die Gruppe mit ihrem Weg verfolgt.  Vielmehr soll ein Dialog initiiert werden, der zu einem Umdenken in der Kirche anregt und Änderungen anstösst.

Prominente Unterstützung

Unterstützt wird die Pilgergruppe auch von den Bistümern St. Gallen und Basel. Sowohl Bischof Felix Gmür, Bischof Markus Büchel wie auch Abt Jeremias Schröder und Abt Urban Federer werden die Gruppe in Rom treffen. „Eine Kirche ohne die Frauen, das wäre ein Irrsinn!”, begründete Felix Gmür bei einer Presse­konferenz im Februar seine Unterstützung für das Projekt. Es sei wichtig, dass Frauen in Entschei­dungsprozesse einbezogen würden, weil sie eben dazugehörten und weil jeder und jede die eigene Sichtweise einbringen sollte.

MitpilgerInnen gesucht

Die Pilgergruppe freut sich, wenn sie auf ihrer Wanderschaft nach Rom etappenweise begleitet wird. Es besteht die Möglichkeit, organisiert mitzureisen oder spontan mitzugehen. Insbesondere auf dem Schweizer Streckenabschnitt von St. Gallen bis Chiavenna vom 2. bis zum 11. Mai sind Frauen und Männer eingeladen, sich dem Pilgertross tageweise anzuschliessen. Auf der Webseite www.kirche-mit.ch sind Treffpunkte und Startzeiten notiert. Auch in Rom sind alle herzlich willkommen, die das Projekt „Für eine Kirche mit den Frauen” mittragen und dem Anliegen durch ihre Präsenz ein Gesicht geben möchten.

Text und Bild: Christina Mönkehues, Informationsbeauftragte, Regionalseiten April 2016