"Die vermehrte Zusammenarbeit ist eine Notwendigkeit"

„Die Amtsdauer beträgt fünf Jahre, kann aber verlängert werden“ – so stand es im Communiqué als Pfarrer Niklaus Kessler im Oktober 2000 zum Dekan des Dekanats Petrus Kanisius (Pfarreien Deutschfreiburgs) ernannt wurde. Vierzehn Jahre lang hat er die damit verbundenen Aufgaben wahrgenommen.

Sie haben damals zeitgleich mit dem Bischofsvikar Kurt Stulz Ihren Dienst angetreten. Welche Aufgaben haben Sie damals übernommen?

Als man damals Ende der 90er die Strukturen des Dekanats überdacht hat, war ich mir gar nicht so sicher, ob es überhaupt einen Dekan braucht, da das Dekanatsgebiet mit dem des Bischofsvikariats fast identisch ist. Ich war Berater des Bischofsvikars und konnte ihn auch vertreten. Das war besonders wichtig, als das Amt des Bischofsvikars vakant war (August 2011 bis Mai 2012). Als Dekan habe ich die Zusammenkünfte der Priester organisiert, Dekanatsversammlungen mit dem Bischofsvikariat geplant und war von Amtes wegen auch in bestimmten Gremien vertreten.

Welche Gremien waren besonders wichtig?

Zunächst einmal der Personalrat, der das Bischofsvikariat berät bei der Suche und Ernennung von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in Deutschfreiburg. Diese Gruppe steht vor der grossen Herausforderung, gutes und qualifiziertes Personal zu finden. Manchmal ist es dabei aber eher hinderlich, an den traditionellen Strukturen festzuhalten und sich zu bemühen, alle Stellen wie bisher neu zu besetzen. Mit den Jahren haben sich auch die Aufgaben verändert.

Inwiefern?

Beispielsweise bei den Gottesdiensten. Man verlangt nach dem alten Gottesdienstprogramm mit dem entsprechenden Personal, obwohl die Leute dem nicht mehr entsprechen. Vor 40 Jahren hat man angefangen samstags den Vorabendgottesdienst zu feiern, weil am Sonntag die Kirchen zu klein waren. Heute geht es eher darum, Gemeinschaften zusammenzuführen.

Bei der Personalplanung schwingt also auch immer die Frage nach den pastoralen Aufgaben mit?

Ja, natürlich. Aber auch wenn man Strukturen verändert, dann hängt der Erfolg natürlich davon ab, ob diese Veränderungen auch angenommen werden. Es heisst schnell, dass man „Notlösungen" sucht, weil nicht mehr ausreichend Priester vor Ort seien. Aber es ist auch eine Notwendigkeit, Gemeinschaften zu schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass der Schritt hin zu den Seelsorgeeinheiten richtig war, aber die Zusammenarbeit könnte und müsste noch viel intensiver sein. Das gilt auch für Projekte im Dekanat – mehr Einheit und Einheitlichkeit würde uns sicherlich gut tun.

Bei den Strukturfragen darf man natürlich das Kerngeschäft nicht aus den Augen verlieren.

Der Missionssonntag im Oktober hat uns das noch einmal vor Augen geführt: In den Philippinen ist ein Priester für 12‘000 Gläubige zuständig. Und die Kirche lebt! Kirche hängt nicht nur von den Hauptamtlichen, sondern vor allem vom gelebten Glauben vor Ort ab. Diese Gläubigen zu begleiten soll ja unser Ziel sein – da muss man sich manchmal von harten Strukturen und Geldfragen lösen. Aber es erleichtert uns natürlich die Arbeit, dass wir hauptamtliche Seelsorger einstellen können.

Ende Oktober haben Sie als Dekan demissioniert. Was waren die Gründe?

Nach vierzehn Jahren war es einfach Zeit. Da braucht es etwas frischen Wind und neuen Elan. Das Dekanat darf jetzt entscheiden, wie es weiter gehen soll, d. h. ob meine Stelle noch einmal besetzt werden soll. Und die Priester müssen sich natürlich um die Vertretung in den Gremien bemühen – so wie es die Laien auch schon tun.

Text und Bild: Christina Mönkehues

Publiziert: Dezember 2014

Zur Person: Niklaus Kessler wurde 1974 zum Priester geweiht und war als Vikar in Freiburg (St. Niklaus), Tafers und Wünnewil tätig. Zehn Jahre lang arbeitete er als Pfarrer in den peruanischen Anden. Von 1992 bis 1994 war er Pfarrer in Murten und Kerzers. Nach einem halben Jahr als Vikar in Paris (St-Martin-des-Champs) übernahm er 1995 die Aufgabe als Pfarrer von Ueberstorf. Seit Herbst 2003 ist er Pfarrer von Plaffeien und seit 2008 auch Moderator der Seelsorgeeinheit Sense Oberland.