Grenzen überschreiten und Heimat schenken

Menschen auf der Flucht vor Krieg, Terror und Gewalt, Boote voller Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, bewegende Schicksale: Diese Bilder und Geschichten sind in den letzten Monaten nicht nur in den Medien, sondern auch vor Ort präsenter geworden. Mit dem Wunsch nach einem Leben in Sicherheit und neuen Chancen kommen Asylsuchende auch in Freiburg an. Doch wie können wir helfen und sie unterstützen? Diese Frage bewegte in den letzten Monaten auch das Bischofsvikariat Deutschfreiburg.

2016-02 Mein Nächster

„Wir alle müssen uns engagieren, damit auf dieser Welt sich die Spielregeln ändern zugunsten der Ärmsten, der Ausgegrenzten, der Leidenden", so hatte es Mitte September die Adjunktin im Bischofsvikariat Marianne Pohl-Henzen formuliert. Eingedenk des Aufrufes von Papst Franziskus, dass jede Pfarrei eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen solle, hatten die kath. Kirche und die ev.-ref. Kirche im Kanton Freiburg im Herbst unter dem Motto „Mein Nächster – ein Geschenk Gottes” Pfarreien, Seelsorgeeinheiten, Kirchgemeinschaften und Orden dazu aufgerufen, Unterkünfte und Begleitung für Asylsuchende und Flüchtlinge zu organisieren.

Hand in Hand mit Kanton und ORS

Viele positive Rückmeldungen folgten, aber auch viele Fragen von Interessierten. Um einen tieferen Einblick in den Weg, den Asylsuchende in der Schweiz durchlaufen, zu bekommen und konkrete Fragen zu klären, luden die beiden Kirchen im November zu einer Informationsveranstaltung für Interessierte ein. Von der Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) informierte Claudia Lauper über die Arbeit des Kantons im Asyl- und Flüchtlingsbereich und Bashkim Mazreku von der ORS service AG, die seit 2008 für die Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen im Kanton zuständig ist, vom Alltag in Asylzentren. Derzeit stehen in zehn provisorischen und dauerhaften Zentren im Kanton insgesamt 671 Plätze für Asylsuchende in ihren ersten Monaten im Land bereit. Im Fokus steht am Anfang die Förderung von ganz essentiellen Fähigkeiten: das Erlernen der Sprache und das Kennenlernen von Land und Kultur.

Begleitgruppe als Chance für beide Seiten

Schon dabei können Menschen vor Ort helfen, denn natürlich vermitteln die Sprachkurse, die dreimal in der Woche stattfinden, nur Grundlagen. Nelly Lindemann besucht daher regelmässig das Asylzentrum Leimacker in Düdingen, um mit den Asylsuchenden ihre Sprachfertigkeiten zu trainieren oder auch einfach, um etwas mit ihnen zu unternehmen. Sie ist Mitglied einer Begleitgruppe, die sich gegründet hat, als das Zentrum eröffnet wurde, und die verschiedene Aktivitäten mit den Asylsuchenden organisiert und durchführt. Gleichzeitig übernimmt die Gruppe auch eine Scharnierfunktion zur Bevölkerung: Sie berichten über die Asylsuchenden, über ORS und die Arbeit in der Asylunterkunft. Und sie fördern auch die Integration in die Gemeinschaft: Mit einem Tag der offenen Tür, einem Stand beim Martinsmarkt, einem Adventsfentster etc. Beim Pastoralrat Deutschfreiburg und bei der Dekanatsversammlung im Herbst zeigte sie sich selbst begeistert von den Erlebnissen: „Man gibt ja nicht nur etwas, sondern man bekommt auch ganz viel zurück." Noch immer pflegt sie Kontakte zu einigen der ersten Asylsuchenden, die in Düdingen untergebracht wurden. Zurzeit wird auch in Bösingen mit Unterstützung des Pastoralrates vor Ort eine neue Begleitgruppe aufgebaut. 

Natürlich gibt es noch andere Orte, an denen man sich engagieren kann: Der Point d'Ancrage bei den Weissen Vätern in Freiburg bietet neben dem Mittagstisch am Mittwoch auch Beratung, Begegnung und Sprachkurse für Asylsuchende und Flüchtlinge an. Gerade für die  Begleitung bei Amtsgängen und im Alltag werden hier noch Freiwillige gesucht (Kontakt: Claude Maillard, 077 418 75 07). Ebenso können sich Engagierte beim Roten Kreuz melden, wenn Sie Sprachkurse anbieten möchten (Kontakt: Myriam Egger, 026 347 39 70). Wenn Sie als Privatperson für mindestens drei Monate Wohnraum anbieten können, dann wenden Sie sich gerne an das Projekt „Wagen wir Gastfreundschaft” (079 274 93 83), das erste Fragen beantwortet und Sie mit der ORS Service AG in Kontakt bringt.

Christina Mönkehues, Informationsbeauftragte des Bischofsvikariats Deutschfreiburg (Regionalseiten 2016/02)