Nachruf auf den ehemaligen Bischofsvikar Kurt Stulz

Der ehemalige Bischofsvikar für Deutschfreiburg, Kurt Stulz, ist am frühen Nachmittag des 6. Dezember in seinem 79. Lebensjahr im Pflegeheim Ulmiz nach längerer schwerer Krankheit gestorben. Er bleibt uns in Erinnerung als ein kontaktfreudiger und aufgestellter Priester und Seelsorger, der stets offen war für die Anliegen seiner Mitarbeiter und sich für die ganze Bistumsregion Deutschfreiburg einsetzte.

Porträt Kurt Stulz

Kurt Stulz wurde am 8. Mai 1939 in Tafers als Sohn des Franz und der Marie Stulz-Brülhart geboren und hatte drei Geschwister. Nach seiner Primarschulzeit besuchte er das Gymnasium in Rebstein SG und in Immensee. Ab 1959 studierte er vorerst 2 Jahre in Freiburg Philosophie. Bereits zu dieser Zeit engagierte er sich im Bereich der Jugendarbeit in Tafers. Anschliessend begann er das Studium der Theologie am diözesanen Priesterseminar in Freiburg. Am 3. Juli 1966 wurde er in der Kirche St. Michael in Freiburg zum Priester geweiht und eine Woche später feierte er in seiner Heimatpfarrei Tafers seine feierliche Primiz.

Abgesehen von einem Jahr im Kanton Neuenburg, in dem er sich auch dort als Seelsorger der Deutschsprachigen der Region engagierte, begann er seine seelsorgerliche Tätigkeit in der Pfarrei Christ-König in Freiburg, vorerst von 1966 bis 1968, dann wieder von 1969 bis 1973. Sowohl in Neuenburg wir auch in Freiburg lag sein Schwerpunkt immer auf der Jugendarbeit. Daneben engagierte er sich auch als Feldprediger in der Armee.

1973 hatte er die Gelegenheit erhalten, am katechetischen Institut in München ein Weiterstudium zu beginnen, welches er mit einem Diplom in Katechetik und Erwachsenenbildung 1975 abschloss. In der Zwischenzeit engagierte er sich auch in München in der Pfarreiarbeit (St. Johannes-Evangelist).

Zurück in Freiburg wurde Kurt Stulz Lehrer am kantonalen Lehrerseminar und am Kindergärtnerinnenseminar in Freiburg. Gleichzeitig übernahm er auch die Leitung der Arbeitsstelle Erwachsenenbildung in Deutschfreiburg, er gab viele Kurse und Vorträge, sowohl im Bildungszentrum Burgbühl wie auch in der ganzen Region.

Ab 1975 arbeitete er mit im Redaktionsteam des Pfarrblattes von St-Maurice und von 1980 bis 1984 war er Radioprediger bei Radio DRS. Er engagierte sich zudem in der Interdiözesanen katechetischen Kommission (IKK) und war einige Zeit Präsident der katechetischen Kommission von Deutschfreiburg. Aber auch auf europäischer Ebene war Kurt Stulz tätig, z.B. in der europäischen Föderation für katholische Erwachsenenbildung FEECA. Gleichzeitig war er zwei Jahre lang Dozent mit Lehrauftrag für das Fach Erwachsenenbildung am Seminar für Seelsorgehelferinnen SSH in Zürich.

Im Jahr 1984 wurde Kurt Stulz zum Pfarrer von Düdingen berufen, eine Stelle, die ihn sehr geprägt hat, und auf die er stets gerne zurückblickte. Er blieb dort 12 Jahre, danach wurde er für vier Jahre Pfarrer von Murten. Während seiner Pfarrerszeit engagierte sich Kurt Stulz stets auch für regionale und schweizweite Anliegen, indem er sowohl in der Erwachsenenbildung weiter tätig war, oder auch in der Kommission für Kirchliche Berufe.

Zwei Bücher verfasste Kurt Stulz: Das erste: «Zum Beten führen, 4 erprobte Lerneinheiten» 1982, zusammen mit Hugo Beck und Andreas Kohlbrecher, ist klar in den Bereich Erwachsenenbildung einzugliedern. Das zweite «Von der Kunst, gut zu leben», welches er in der Sabbatzeit zwischen den beiden Pfarrerstellen in Düdingen und Murten verfasste, zeugt eher davon, dass es neben Stress und Arbeit auch noch anderes gibt, wofür es sich zu leben lohnt!

1997 wurde Kurt Stulz zum Dekan des Dekanats Petrus Kanisius ernannt, und schliesslich im Jahr 2000 zum Bischofsvikar für Deutschfreiburg. Am 20. Oktober 2000 wurde er als solcher von Bischof Bernard Genoud in der Pfarrkirche St. Antoni ins Amt eingesetzt. Bereits kurz darauf, im Jahr 2001, am 6. Dezember, an seinem späteren Todestag, wurde er zum residierenden Domherrn der Kathedrale St. Nikolaus eingesetzt.

Nachdem Kurt Stulz nach 11 Jahren im Jahr 2011 als Bischofsvikar demissionierte, engagierte er sich weiterhin in der Seelsorge, sowohl im Sense Oberland, wie auch wieder bei der deutschsprachigen Minderheit in einem anderen Kanton, diesmal in Lausanne, St. Michael.  

Mit 75 Jahren bat Kurt Stulz den Bischof, die Diözese verlassen zu dürfen und die Aufgabe des Spirituals im Kloster Maria Rickenbach im Nidwaldischen zu übernehmen. Er kannte diese Klostergemeinschaft seit sehr vielen Jahren, hatte dort selber vielmals Exerzitien gemacht, und freute sich auf diese Aufgabe. Gleichzeitig hoffte Kurt Stulz, dass er in dieser schönen landschaftlichen Umgebung noch viel Zeit und Musse hätte, seiner Leidenschaft als Maler nachzugehen. Denn auch schon früher hatte er oftmals in den Ferien Malkurse besucht und hatte hierbei wirklich viel Talent gezeigt.

Leider konnte er nicht sehr lange von der schönen Umgebung und dem Kontakt mit den Schwestern profitieren: Ende Sommer 2016 erkrankte er schwer. Glücklicherweise wurde er in dieser ganzen Zeit im Pflegeheim der Ordensleute von Freiburg (ISRF), bei den Ursulinerinnen in Freiburg, gut betreut und konnte dadurch auch mitten in der Stadt leben, was er sehr schätzte. Sogar eine Ausstellung seiner Aquarelle bei den Ingenbohler-Schwestern im Schönberg in diesem Frühsommer konnte er durch die Betreuung des ISRF noch erleben. Leider nahm aber die Krankheit überhand und er musste zuletzt im Spital betreut werden, bevor man ihn zwei Tage vor seinem Tod zurück in ein Pflegeheim brachte.

Kurt Stulz wird vielen Seelsorgerinnen und Seelsorgern, aber auch vielen Gläubigen in guter und prägender Erinnerung bleiben, als einem Priester, der sich einsetzte, der ermutigte und befähigte, der hart arbeitete und trotzdem seine Freizeit kreativ nutzte, der aber vor allem auch stets die richtigen Worte fand, das Evangelium mit aktuellen Themen in Verbindung zu bringen.

08.12.2017, Marianne Pohl-Henzen, Adjunktin im Bischofsvikariat Deutschfreiburg