Das Bemühen um eine echte und verantwortungsvolle Ökumene

Zu einer gemeinsamen zweisprachigen und ökumenischen Bettagsfeier lud der Rat der reformierten und katholischen Kirchen des Kantons Freiburg (CERECAF) ein. Während der Feier unterschrieben die VertreterInnen der Kirchen eine Charta, welche die ökumensische Zusammenarbeit weiter stärken soll.

In der ökumenischen Feier zum Eidgenössichen Dank-, Buss- und Bettag auf dem Python-Platz in Freiburg setzten unsere beiden anerkannten Kirchen des Kantons ein konkretes Zeichen der inskünftigen ökumenischen Zusammenarbeit: Der Rat der evangelisch-reformierten und der katholischen Kirche CERECAF hat über eine längere Zeit überlegt und gearbeitet, um an diesem Tag eine Charta vorstellen zu können, in der wir uns gemeinsam verpflichten die ökumenische Praxis zu fördern. Wir wünschen, dass die Freiburger kirchlichen Institutionen - wo auch immer möglich - die Zusammenarbeit pflegen. Dies nicht nur aus Image-Gründen, sondern weil unsere ganze Glaubwürdigkeit auch davon abhängt. So haben auch unsere jeweiligen kirchlichen Autoritäten diese Charta approbiert, sowohl der Synodalrat der ev.-ref. Kirche wie auch unser Bischof Charles Morerod. 

Im ökumenischen Miteinander wollen wir gemeinsam Projekte entwerfen. Dabei werden wir uns auch immer wieder unserer Unterschiede bewusst. Mit dieser Charta wollen wir uns aber verpflichten, die Partnerkirche besser kennen zu lernen und uns gegenseitig ermuntern, an der Zusammenarbeit festzuhalten.

In verschiedenen Bereichen arbeiten unsere Kirchen schon eng zusammen, insbesondere beim Religionsunterricht im Kindergarten, in der Seelsorge im Gesundheitswesen, in den Altersheimen, in den Haftanstalten, bei der Behindertenseelsorge, aber auch in ökumenischen Gruppen in den Kirchgemeinden und Pfarreien. Die Personen, die wir Kirchen beauftragen, in diesen Bereichen zu arbeiten, bitten wir inskünftig, diese Charta zu unterschreiben. Es geht dabei wirklich darum, die Ökumene nicht nur als Ideal zu sehen, sondern sie bei jeder Begegnung dank echtem Bemühen zu einer gelebten Realität werden zu lassen.

Die Punkte unserer Verpflichtungs-Charta beschreiben die Grundhaltung, auf welche sich die Personen, die im Auftrag der Kirche stehen, bei der Bezeugung ihres Glaubens im Rahmen ihrer Tätigkeit verpflichten: 

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Die beauftragte Person

  • achtet bei der Ausübung ihrer Aufgabe darauf, ihre konfessionelle Herkunft anderen Personen gegenüber transparent zu machen: „Ich sage, wer ich bin."
  • interessiert sich taktvoll für die religiöse Zugehörigkeit ihres Gegenübers: „Ich möchte wissen, wer du bist."
  • informiert sich über die Lehre und die zentralen Werte der anderen Konfession, kennt die von beiden Kirchen anerkannten ökumenischen Texte und erweitert ihre ökumenischen Kompetenzen mit Hilfe von Experten: „Ich kenne die Thematik und halte mich auf dem Laufenden."
  • ist sich der möglichen konfessionellen Tragweite ihrer Handlungen und Angebote bewusst: „Ich weiss, was ich tue und was ich veranlasse."
  • achtet darauf, welche Themen sie anspricht und wie sie sie anspricht: „Ich weiss, was ich sage und wie ich es sage."
  • stellt die allgemeinen christlichen Werte vor die konfessionellen: „Ich bin zuerst Christin oder Christ und erst dann katholisch oder reformiert."
  • weicht auftretenden konfessionellen Besonderheiten und Unterschieden nicht aus und negiert sie nicht, sondern behandelt sie mit Respekt: „Ich spreche stets respektvoll über den anderen."
  • holt sich Hilfe von Fachleuten der jeweiligen Kirche, wenn es um folgende Themen geht: Eucharistie/Abendmahl, Beichte, Vergebung der Sünden, Krankensakrament, Sexualethik, Institutionelle Organisation der jeweiligen Kirche, Marien- und Heiligenverehrung, Gebet für die Toten, Wallfahrten „Ich kenne meine Grenzen und wende mich an die Experten."
Marianne Pohl-Henzen, Adjunktin im Bischofsvikariat