Projektbeschrieb: Begegnungsreise Israel/Palästina

One world – different cultures. Hautnah erleben durften dies Jugendliche aus der Region Murten und Kerzers im Oktober 2015 auf einer Begegnungsreise nach Israel und Palästina. Andrea Neuhold von der Regionalen Fachstelle für Jugendseelsorge hat einen Projektbeschrieb zu dieser Reise verfasst.

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Vorbereitungsphase

Die Vorbereitung der Reise zusammen mit den 12 Jugendlichen begann Anfang Juni mit dem ersten Infoabend, an dem auch die Eltern eingeladen waren. Hier wurde gleich zu Beginn klargestellt, dass es sich bei unserer Reise nach Israel und Palästina nicht um eine klassische Ferien- bzw. Erholungsreise handelt und auch nicht um eine Pilgerfahrt, sondern dass die Begegnung mit anderen Menschen und ihrer Kultur bzw. Religion im Zentrum steht. Als Gegenleistung für den sehr niedrigen Teilnehmerbeitrag verpflichteten sich die Jugendlichen vor der Reise bei Finanzaktionen mitzumachen, während der Reise Berichte, Reportagen, Interviews, Fotos oder Videos anzufertigen und diese als Nachbereitung der Reise bei verschiedenen Anlässen zu präsentieren.

Um uns inhaltlich auf die Reise vorzubereiten trafen wir uns insgesamt vier Mal, wobei wir einmal gemeinsam ins IMAX nach Luzern fuhren um den Film „Jerusalem" anzuschauen. Die Jugendlichen vertieften sich in Kleingruppen in verschiedene Themen über das Zielland (Natur, Kultur, Geschichte, Politik und Religion) und präsentierten die erworbenen Erkenntnisse den anderen an einem Treffen.

Daneben wurden zwei Finanzaktionen durchgeführt: Am 17.September fand in Murten die „Nacht der Genüsse" statt, an der wir an einem eigenen Stand nahöstliche Spezialitäten anboten. So kochten und verkauften die Jugendlichen mit viel Begeisterung Falafel und Shakshuka. Zur weiteren Geldbeschaffung diente der Verkauf von Fondue an Familie, Freunde und Bekannte.

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Begegnungsreise nach Israel und Palästina vom 17. bis 25. Oktober 2015

Im Zentrum der Reise standen interreligiöse Begegnungen: Wir trafen uns mit vielen verschiedenen Personen und Organisationen und erfuhren sehr viel über lokale Sitten und Gebräuche. Wegen der angespannten politischen Situation war oft auch der Konflikt zwischen Israel und Palästina und die aktuelle politische Lage ein Thema. Eindrucksvoll für die Jugendlichen war zum Beispiel der Besuch eines Friedens- und Ökozentrum in der Wüste, in dem hoffnungsvoll gezeigt wird, dass Israelis und Palästinenser sehr wohl in Frieden miteinander leben können. Daneben waren vor allem die Treffen mit Gleichaltrigen in zwei Schulen in Nazareth und Betlehem eine gute Gelegenheit für unsere Teilnehmenden etwas über das Leben und die Probleme/Sorgen der Jugendlichen dieses Landes zu erfahren. Wobei sie sehr schnell feststellten, dass diese sehr ähnliche Interessen haben wie sie selbst! So wurden gleich Telefonnummern ausgetauscht und gemeinsame Chats eröffnet.

Als Ausgleich zu den intensiven Gesprächen gab es immer wieder auch Programmpunkte zum Ausspannen: So badeten wir im See Genezareth und im Toten Meer. Abschalten konnte man auch gut bei der Wanderung durch die Wüste. In Erinnerung bleibt den Jugendlichen sicherlich auch der Kamelritt. Selbstverständlich besichtigten wir auch viele wichtige Orte des Christentums, Islams und Judentums, auch wenn wir einige Sehenswürdigkeiten in Jerusalem aus Frage der Sicherheit nicht besuchten.

Auf unserer Reise assen wir vor allem lokale Produkte (Falafel, Pitta usw.) und lernten so die Esskultur des Landes kennen. In der Wüste hatten wir auch ein spezielles Essen bei einer Beduinenfamilie. Ausserdem konnten wir am Freitagabend in Jerusalem gemeinsam mit einer jüdischen NGO-Gruppe ein Shabbat-Dinner geniessen.
Jeweils am Abend trafen wir uns in Kleingruppen um den Tag gemeinsam zu reflektieren, uns Notizen darüber zu machen und bezüglich unserer Foto- bzw. Filmprojekte den nächsten Tag zu planen. Ausserdem musste der Blog zur Reise geschrieben werden.

Am letzten Tag unserer Israelreise hatten die Jugendlichen in Tel Aviv noch die Möglichkeit am Strand auszuspannen, zu surfen und das Meer zu geniessen.

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Nachbereitungsphase

Im Rahmen der „Woche der Religionen" fand am 9. November 2015 an der Orientierungschule in Murten ein Talk mit vier Jugendlichen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse während der Begegnungsreise statt. Es wurden auch zwei Fotoshows und ein Film, der während der Reise gedreht wurde und vor allem aus Gesprächsmitschnitten über Lebensgeschichten von verschiedenen Personen aus Israel/Palästina besteht, gezeigt.

Die Jugendlichen erstellten mit ihren Fotos und durchgeführten Interviews auch eine Fotoausstellung unter dem Titel „Mein Leben im Heiligen Land", die neun Personen, die wir während unserer Reise trafen, kurz porträtiert. Diese wird in den nächsten Monaten an verschiedenen Orten gezeigt werden, z. B. am traditionellen Murtner Adventsmarkt.

Andrea Neuhold