„Wir müssen wissen, was es für uns heisst, Christen zu sein“

Freiburg, 21.10.2015. Jede Seelsorgeeinheit des Bistums zu besuchen und die Menschen vor Ort kennenzulernen – dieses Ziel hatte sich Bischof Charles Morerod nach seiner Weihe 2011 gesetzt. Am 16. und 17. Oktober führte ihn der Pastoralbesuch in die Seelsorgeeinheit Untere Sense, zu der die Pfarreien Schmitten, Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt zählen. Begleitet wurde der Bischof von Weihbischof Alain de Raemy, der seit September für zwei Jahre auch das Amt des Bischofsvikars von Deutschfreiburg übernommen hat, und von der Adjunktin im Bischofsvikariat, Marianne Pohl-Henzen.

„Es ist wunderschön hier. Wer im Sensegebiet wohnt, der kann fast gar nicht anders, als an den Schöpfer zu glauben", bemerkte der neue Bischofsvikar für Deutschfreiburg, Alain de Raemy, am Freitagabend beim Treffen mit der Pfarreibevölkerung im Begegnungszentrum in Schmitten. Er freue sich auf die neuen Aufgaben und die Gespräche mit den Menschen vor Ort. Sein Vorgänger, Nicolas Glasson, hatte im September ein neu geschaffenes Bischofsvikariat für die Berufungspastoral und die Ausbildung der Seminaristen übernommen. „Wir wollen beim Thema Berufungen einen deutlichen Akzent setzen", erklärte Alain de Raemy.

In ihren Kurzplädoyers betonten der Bischof und der Weihbischof, die wachsende Notwendigkeit, Auskunft über den eigenen Glauben geben zu können, und die heute so entscheidende Rolle der Gemeinschaft. „Früher war es vielleicht einfacher, den Glauben zu leben", stellte Bischof Morerod fest. Heute jedenfalls müsse sich jeder Einzelne fragen, was es für ihn oder sie bedeute, Christin oder Christ zu sein. „Gerade dadurch, dass junge Leute sich für den Glauben interessieren, die selbst nicht christlich aufgewachsen sind, und uns Fragen stellen, sind wir alle in den Pfarreien immer mehr gefordert, Zeugnis über unseren Glauben geben zu können." Ebenso wichtig sei es, dass es eine Gemeinschaft gebe, in der sich der Einzelne willkommen fühle und in der man sich über das eigene Leben und den Glauben austauschen könne.

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Visionen für die Zukunft

In der anschliessenden Fragerunde erkundigten sich die Pfarreiangehörigen nach den Visionen der Bischöfe für Zukunft der Kirche in Deutschfreiburg. Bischof Morerod gab zu bedenken, dass man nicht zu viel von der Vergangenheit sprechen und nicht darauf bestehen solle, „dass alles so bleibt, wie es ist". Er wünsche sich eine engere Zusammenarbeit, damit Orte entstünden, an denen am Wochenende beim Gottesdienst alle Generationen die Möglichkeit hätten, Menschen in ihrem Alter zu treffen. Es gehe darum, Orte zu schaffen, an denen es Freude mache, zusammenzukommen. „Natürlich ist es ebenso wichtig, dass es Bezugspersonen vor Ort gibt, die die Leute kennen, die für die Katechese zuständig sind, Besuche machen und vieles mehr. Man muss die menschlichen Beziehungen pflegen und darf nicht erwarten, dass alle automatisch zusammenkommen", so Alain de Raemy. Auch er betonte aber, dass es gerade für Jugendliche sehr wichtig sei, zu erleben, dass sie mit ihrem Glauben nicht allein seien – das zeige sich jährlich beim nationalen Weltjugendtag und an der wachsenden Beliebtheit von christlichen Bewegungen.

Auch die zurzeit in Rom stattfindende Bischofssynode „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" wurde diskutiert. „Die Fragen, die wir uns heute stellen, sind nicht unbedingt neu, aber neu ist die Häufigkeit, mit der wir sie stellen, z.B. im Fall von Scheidungen", so Bischof Morerod. Die Kirche müsse gute Lösungen finden, um die Menschen auch in diesen Situationen zu begleiten. In Bezug auf den Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen wies Alain de Raemy darauf hin, dass er in diesem Bereich eine Engführung wahrnehme: „Wenn jemand in der Wirtschaft unehrlich handelt, hat dies ebenso grosses Gewicht. Jeder und jede muss sich auf den Kommunionempfang vorbereiten." Gleichzeitig wünsche er sich von der Synode, dass sie den Priestern die Möglichkeit gebe, im Einzelfall selbst zu entscheiden und die Situation der Menschen zu berücksichtigen.

Begegnungen vor Ort

Der Pastoralbesuch führte die Bischöfe und die Adjunktin in alle Gemeinden der Seelsorgeeinheit. Schon am Freitagnachmittag trafen sie in Flamatt die Katechetinnen, das Seelsorgeteam sowie Vertreter der Gemeinden Schmitten, Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt. Am Samstagmorgen fand in Ueberstorf ein Treffen mit den Pfarreiräten sowie mit den Pastoralgruppen statt. Nachmittags hatten die Jugendlichen in Wünnewil die Gelegenheit, Weihbischof de Raemy Fragen zu stellen. Bei der anschliessenden Messe mit dem Weihbischof, die musikalisch gestaltet wurde von der Organistin Ruth Zahno, den Instrumentalisten Melanie Fussen und Pauline Zahno sowie den Cäcilienchören Wünnewil und Flamatt unter der Leitung von Agnes Kurth und Jörg Schwendimann, bedankte sich Pfarrer Paul Sturny im Namen der Seelsorgeeinheit für den Besuch und die Begegnungen. Alain de Raemy freute sich darüber, dass sich für ihn „die schöne Landschaft nun mit bekannten Gesichtern  gefüllt" habe. 

Christina Mönkehues, Informationsbeauftrage des Bischofsvikariats Deutschfreiburg