Keine Angst vor Veränderungen

Im Mai 2012 übernahm Nicolas Glasson das Amt des Bischofsvikars für Deutschfreiburg. Ab dem September erwarten ihn neue Aufgaben als „Bischofsvikar für die Berufungspastoral und die Ausbildung der Seminaristen“ – ein Amt, das Bischof Charles Morerod neu geschaffen hat. Im Interview hält Nicolas Glasson Rückschau.

Portrait Nicolas Glasson

Die Sorge um Berufungen sowie der Glaube der Christinnen und Christen in den Pfarreien – diese beiden Schwerpunkte für Ihre Arbeit haben Sie in einem Interview 2012 genannt. Wie haben Sie diese Ziele verfolgt?

Drei Dinge haben wir im Bischofsvikariat ange­stossen. Zunächst konnten zwei Praktikumsstellen für angehende LaienseelsorgerInnen in Pfarreien aufgebaut werden. Ausserdem haben wir in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg eine Studienbegleitung aufbauen können – mit der Folge, dass schon fünf Studierende signalisiert haben, dass sie sich nach ihrem Abschluss durchaus vorstellen könnten, in Deutschfreiburg zu arbeiten. Gleichzeitig werden wir ab dem Herbst gemeinsam mit dem Oberwallis eine Berufseinführung für Pastoralassistenten und Priester anbieten können. Bisher wurden unsere MitarbeiterInnen dazu ins Bistum Basel geschickt, wo es natürlich andere Schwerpunkte gibt. Man wird sicherlich erst in ein paar Jahren sehen, wie erfolgreich diese Bemühungen waren, aber ich glaube, sie setzen wichtige Signale.

Zum Glauben in den Pfarreien: Ja, das ist nach wie vor ein Herzensanliegen von mir. Ich spüre bei vielen Anlässen, dass die Gemeinschaft lebendig ist. Aber es macht mich auch nachdenklich, dass von den Priesteramtskandidaten, die ich betreue, kein einziger seine Berufung bzw. seinen Glauben in der Pfarrei vertieft hat, so wie es bei mir damals der Fall war. Sie alle kommen aus Bewegungen und anderen Gemeinschaften. Wir müssen also unsere Seelsorge immer wieder überprüfen. Ich habe auch keine Lösungen, aber diese Fragen werden mich sicherlich auch in meinem neuen Amt beschäftigen.

Was hat Ihnen Freude gemacht und was war eher mühsam?

Eine Freude waren sicherlich die vielen Begegnungen – mit Pfarreiräten, mit Firmlingen, mit Gruppen wie z.B. Adoray. Auch die Zusammenarbeit mit meiner Adjunktin Marianne Pohl-Henzen war sehr gut. Wir haben zwar nicht immer die gleiche Meinung, konnten aber immer über alles sprechen. Herausfordernd war sicherlich, dass ich gleichzeitig Regens des Priesterseminars bin und auch im letzten Jahr noch das Einführungsjahr für die Priesteramtskandidaten übernommen habe. Oft waren die Zeiten, in denen ich für die Priesteramtskandidaten da sein sollte, auch die Zeiten, in denen ich als Bischofsvikar gebraucht wurde.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger, Weihbischof Alain de Raemy, mit auf den Weg?

Ein Bischofsvikar kann glücklich sein, wenn er feststellt, dass der Glaube in seinem Gebiet lebt, wenn sich etwas bewegt in der Kirche. Gleichzeitig leben wir auch in Zeiten des Wandels. Ich habe bei der Ausarbeitung von mehreren Budgets mitgearbeitet. Und immer wieder hiess es, wir seien zu teuer. Dieses Jahr war der Druck noch höher, weshalb wir noch mehr Gespräche führen mussten. Das kostet viel Energie und Zeit. Vielleicht müssen wir andere Wege gehen – wie die Urchristen, die Grenzen überschritten haben und so das Evangelium vielerorts verkündet haben. Auch der Papst ruft zur Veränderung auf. Wenn wir mit dem Geld, das uns zur Verfügung steht, das Beste machen wollen, müssen wir Veränderungen angehen und loslassen können. Wenn wir aber, wie das oft so ist, am Bestehenden festhalten, schaffen wir uns Probleme.

Interview: Christina Mönkehues/Fahrettin Calislar, Regionalseiten September 2015

Portrait de Raemy




Neuer Bischofsvikar für Deutschfreiburg wird ab dem 1. September Weihbischof Alain de Raemy (Bild oben)

Alain de Raemy wurde am 10. April 1959 als Sohn Schweizer Eltern in Barcelona geboren, wo er seine obligatorische Schulzeit verbrachte. Nach seiner Matura im Kollegium des Benediktinerstifts Engelberg studierte er zunächst Rechtswissenschaft (1978–1979) und wechselte dann zum Studium der Philosophie und Theologie an die Universität Freiburg (Schweiz). Dort trat er auch in das Priesterseminar der Diözese LGF ein. 1986 erhielt er sein Lizenziat und wurde im gleichen Jahr zum Priester geweiht. Nach seiner Zeit als Vikar in Yverdon (1986–1988) und Pfarrer "in solidum" in Lausanne (1988–1993), setzte er seine Theologiestudien in Rom fort. Über eine Zwischenstation in der Seelsorge in Morges (1995) kehrte er 1996 nach Freiburg zurück, wo er als Pfarrer von Christ-König (1996–2004), Pfarrer und Domherr der Kathedrale St. Nikolaus sowie Moderator der Seelsorge-Einheit Unsere Liebe Frau von Freiburg (2004–2006) tätig war. Von 2006–2013 war er Kaplan der Päpstlichen Schweizergarde in Rom. Am 11. Januar 2014 erfolgte seine Weihe zum Weihbischof in der Kathedrale von Freiburg.