Erläuterungen zum Hirtenbrief

Zum Hirtenbrief der Schweizer Bischöfe über „Das Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienseelsorger/-innen in der Feier der Eucharistie"

Im Namen unseres Bischofs Charles möchten wir diesbezüglich ein paar Punkte hervorheben. 

Wir müssen nicht nur den Glauben und die sakramentale Disziplin der Universalkirche ernst nehmen, sondern auch die vielen Aufrufe, die die Nachfolger Petri an die Schweizer Bischöfe richteten, wie eben noch vor kurzem.[1]

Beim unserem Treffen mit dem Heiligen Vater anlässlich unseres letzten Besuches „ad limina" im Dezember 2014 erwähnte uns Papst Franziskus als „schlechtes Beispiel" eine Erfahrung, die ein mit ihm befreundeter Priester gemacht hatte, als er in der Schweiz auf Besuch war. Dieser Freund des Papstes begab sich an einem Sonntag in die nächst gelegene Pfarrei und stellte sich in der Sakristei als Priester vor. Man erklärte ihm, dass es heute keine Messe gäbe, sondern eine Wortgottesfeier, die von einem Laienseelsorger geleitet würde. Der Priester bot an, dass er die Messe feiern könnte. Darauf entgegnete man ihm kurz und bündig: „Nein!" (der Papst sprach mit uns eigentlich nur Italienisch, aber dies sagte er in der Ursprungssprache), denn schliesslich war der Laienseelsorger da und er war an der Reihe … Der Papst drückte uns sein Erstaunen über diese Situation aus. Einige Wochen später, als Papst Franziskus die Bischöfe von Litauen empfing, sagte er ihnen, sie sollten es nicht so machen wie in der Schweiz …

Unsere Kirche in der Schweiz wird immer internationaler und multikultureller. Deshalb wird es noch wichtiger, dass ihre Katholizität von der Treue zum Glauben und zur Disziplin der Universalkirche abhängt, vor allem was die Feier der Sakramente anbelangt. Unsere Schwestern und Brüder mit so unterschiedlichen Sprachen und Kulturen sind hier in einem anderen Land, aber nicht in einer anderen Kirche. Sie haben das Recht auf eine Feier im selben Glauben, auch wenn diese nicht in derselben Sprache gefeiert wird. Denn es ist ja auch für uns eine schöne Erfahrung, in der gefeierten Liturgie überall beheimatet zu sein, wenn wir auf Reisen sind.

Der Priester wurde nicht nur für die Sakramentenspendung geweiht, sondern ebenso um das Leben und den Glauben der christlichen Gemeinschaften zu leiten.[2] Die Feier der Eucharistie ist der Ort, wo dies am besten sichtbar wird: Der Priester steht der Feier vor, er heiligt und er predigt. Sein Amt gründet nicht auf seiner Ausbildung (so unerlässlich diese auch ist), sondern auf seiner Weihe. Sein Priestersein ist nicht auf einen einzigen Teil der Messe begrenzt.[3] Hierbei geht es auch um das Bild, das wir für spätere Berufungen abgeben. Und dies umso mehr, als man allgemein beobachten kann, dass in Kirchen, in denen die Liturgie der Kirche liebevoll gepflegt wird, auch ein neues Leben erkennbar ist.

Der Laie, getauft und gefirmt, vielleicht auch in der Ehe oder im geweihten Leben engagiert, genährt durch die Eucharistie, die vom Priester gefeiert wurde, ist dazu berufen, das Evangelium durch sein ganzes Leben zu predigen, bis hin zur Ausbildung der anderen Christen -Bischöfe, Priester und Diakone inbegriffen- oder durch die Übertragung des Evangeliums in seine beruflichen und sozialen Kompetenzen. Dies war übrigens einer der stärksten Appelle an alle Christen durch das 2. Vatikanische Konzil.

In diesem Sinne hat in unserer Diözese kein einziger Laie je vom Bischof ein Mandat zum Predigtdienst in der Messe erhalten.[4] Wenn ein Laie in einer Messe predigt, geschieht dies unter besonderen Umständen, die von den kirchlichen Regeln vorgesehen sind,[5] oder aber in einer gewissen Interpretation, die zwar gut gemeint und trotzdem hier fehl am Platz ist, nämlich aus dem Impuls des Konzils heraus für ein stärkeres Engagement der Laien in der Kirche und in der Welt.

Unser Bischof wird daher immer, auf Anfrage, die lokale und punktuelle Situation berücksichtigen können, wo der ausserordentliche Beitrag eines Laien für die Predigt während der Messe wünschbar wird, hauptsächlich bei Gesundheitsproblemen des Priesters, der die Messe feiert, oder aus ähnlichen Gründen.

+Alain de Raemy, Weihbischof und Bischofsvikar von Deutschfreiburg


[1] „Es ist gut, ihr Engagement (d.h. der Laien) zu würdigen und zu unterstützen, allerdings unter klarer Wahrung des Unterschieds zwischen dem gemeinsamen Priestertum der Gläubigen und dem Priestertum des Dienstes. In diesem Punkt ermutige ich Euch, die Bildung der Getauften hinsichtlich der Glaubenswahrheiten und ihrer Bedeutung für das liturgische, pfarrliche, familiäre und gesellschaftliche Leben weiterzuführen und die Mitarbeiter sorgfältig auszuwählen. So ermöglicht Ihr den Laien, sich tatsächlich in der Kirche einzugliedern, in ihr ihren Platz einzunehmen und die empfangene Taufgnade fruchtbar zu machen, um gemeinsam der Heiligkeit entgegenzugehen und zum Wohl aller zu wirken" (Ansprache des Papstes, die jedem Bischof vom Papst überreicht wurde während des Ad-limina-Besuches im Dezember 2014).

[2] Der Diakon seinerseits wurde geweiht um zu lebendiger, evangelisierender Liebe aufzurufen, was sich nicht nur allgemein durch sein ziviles Berufsleben ausdrückt und möglichst nahe bei den Ärmsten, sondern auch durch die Möglichkeit, Taufen und Trauungen zu feiern, sowie bei der Messe zu predigen.

[3] Daran erinnerte der Papst gerade jetzt im November dieses Jahres die deutschen Bischöfe bei ihrem Besuch „ad limina": „Desgleichen ist es notwendig, die innere Verbindung von Eucharistie und Priestertum stets klar sichtbar zu machen. Pastoralpläne, die den geweihten Priestern nicht die gebührende Bedeutung in ihrem Dienst des Leitens, Lehrens und Heiligens im Zusammenhang mit dem Aufbau der Kirche und dem sakramentalen Leben beimessen, sind der Erfahrung nach zum Scheitern verurteilt. Die wertvolle Mithilfe von Laienchristen im Leben der Gemeinden, vor allem dort, wo geistliche Berufungen schmerzlich fehlen, darf nicht zum Ersatz des priesterlichen Dienstes werden oder ihn sogar als optional erscheinen lassen. Ohne Priester gibt es keine Eucharistie. Die Berufungspastoral beginnt mit der Sehnsucht nach dem Priester im Herzen der Gläubigen.

[4] Unter den Formen der Predigt ragt die Homilie hervor, die Teil der Liturgie selbst ist und dem Priester oder dem Diakon vorbehalten wird …" CIC, can. 767, §1. Und can. 766 präzisiert: „Zur Predigt in einer Kirche oder einer Kapelle können, nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz und vorbehaltlich von can. 767, § 1, Laien zugelassen werden, wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist."

[5] Im Direktorium für Kindermessen von 1973 findet man dies: „Es steht nichts im Wege, dass einer der an der Kindermesse teilnehmenden Erwachsenen im Einverständnis mit dem Pfarrer oder Kirchenrektor nach dem Evangelium eine Ansprache an die Kinder hält, vor allem wenn es dem Priester schwer fällt, sich dem Verständnis der Kinder anzupassen"  (Nr. 24). Dies entspricht der Möglichkeit eines Bekenntnisses durch einen Laien, anstelle der Homilie durch den Priester, bei gewissen ausserordentlichen Umständen, und untersteht immer der Verantwortung des Pfarrers.