Ausgabenbremse führt zu drastischen Sparmassnahmen

Eine grosse Sparrunde steht in der katholischen Kirche im Kanton Freiburg an für das Jahr 2016. Rund Fr. 750'000 müssen gespart werden; Fr. 90‘000 davon allein im Bischofsvikariat Deutschfreiburg. Auf Einladung des Bischofsvikariats Deutschfreiburg und der Vereinigung der Pfarreien versammelten sich daher am Freitag, den 26. Juni, im Pfarreihaus St. Antoni rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Pfarreiräten, Seelsorgeräten, des Exekutivrats sowie Delegierte der katholischen kirchlichen Körperschaft, MitarbeiterInnen der Fachstellen, SeelsorgerInnen der Pfarreien/Seelsorgeeinheiten, um gemeinsam über die Zukunft der Kirche und Einsparmöglichkeiten zu diskutieren.

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Auf die Gründe für die anstehenden Sparmassnahmen wies Marianne Pohl-Henzen, Adjunktin im Bischofsvikariat Deutschfreiburg, hin. Im Zuge der Teilrevision des Kirchenstatuts war 2013 eine Ausgabenbremse etabliert worden, die absichert, dass die Pfarreibeiträge insgesamt an die Kantonalkirche nicht mehr als 12,5% der gesamten Ressourcen aller Pfarreien des Kantons betragen dürfen. Das Budget 2015 war hingegen ein aussergewöhnliches: Man hatte sich entschieden, in neue Projekte und in Zukunftsplanung zu investieren und die Ausgabenbremse von 12,5% einmalig auf 13,5% zu aufzustocken und somit eine Budgeterhöhung zu ermöglichen. Nun müssen nach einem Jahr wieder Einsparungen erfolgen.

Im Bischofsvikariat Deutschfreiburg habe man durch die Umwandlung einer Praktikumsstelle in der Jugendseelsorge in eine Anstellung, durch die Erhöhung der Informationsstelle von 20% auf 30%, durch Ausbildungskosten und eine Beratung zur zukünftigen Gestaltung der Kirche das Budget um Fr. 75ʼ000 erhöht. Nun suche man nach Sparmöglichkeiten.

Neben dem eigenen Betrieb, diözesanen Aufgaben, Raummieten etc., verwendet das Bischofsvikariat rund 53% seiner Ausgaben für die Fachstellen. Diese bekamen an dem Abend die Gelegenheit, sich und ihre Aufgabenbereiche vorzustellen. Dazu gehören die Regionale Fachstelle für Jugendseelsorge (Juseso), die Deutschfreiburger Fachstelle für Katechese (defka), die Fachstelle für Erwachsenenbildung (QuerWeltEin), die Fachstelle für kath. Behindertenseelsorge und die Fachstelle für Kirchenmusik. Zusammen mit den Angestellten im Bischofsvikariat sind 6,5 Vollzeitstellen besetzt.

 Mögliche Sparmassnahmen

„Die Möglichkeiten, in den Fachstellen einzusparen, sind gering", so Marianne Pohl-Henzen. Dennoch habe jede Fachstelle den Effort gemacht und einzelne Projekte für 2016 gestrichen. Ebenso sei die Beratung für die Zukunftsplanung, die im Budget 2015 noch mit einem Betrag von Fr. 31ʼ000 veranschlagt worden war, aus dem Budget 2016 herausgefallen.  Auch im Bereich Ausbildungsbeiträge, Supervision und Coaching würden Einsparungen versucht, „obwohl ich mir nicht sicher bin, ob dies der richtige Ort für Einsparungen ist", so die Adjunktin. Insgesamt könne man so Fr. 49ʹ820 einsparen. Wenn weitere Kürzungen vom Bischofsvikariat verlangt würden, dann betreffe dies Mitarbeiterstellen, stellte Marianne Pohl-Henzen fest.

Arnold Schöpfer, Präsident der Vereinigung der Pfarreien, wies darauf hin, dass alle Pfarreien von der Arbeit der Fachstellen profitierten und – sollten in diesen Bereich Angebote wegfallen – diese nicht so leicht durch die Pfarreien selbst übernommen werden könnten. „Es braucht heute manchmal auch Mehraufwand, wenn man nicht in ein paar Jahren eine tote Kirche haben möchte", so Schöpfer, der den Abend moderierte. Er plädierte dafür, die Ausgabenbremse nur langsam wieder zurückzufahren. „Es braucht ein Übergangsjahr 2016, in welchem wir nicht auf 12,5% beharren, sondern 13% investieren", schlug Schöpfer vor. Der Vorschlag wurde auch von Urs Jost, Mitglied des Exekutivrats, dankbar unterstützt. Er stellte ebenfalls fest, dass man nicht nur bei den Bischofsvikariaten zu sparen versuche, sondern auch bei den Pauschalbeiträgen, durch die die Körperschaft jährlich Gruppierungen und Vereine unterstütze. Die Mitglieder der Pfarreiräte und die Delegierten der kkK wurden eingeladen, diesen Vorschlag in den Pfarreien zu diskutieren.

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(v.l.n.r. : Urs Jost (Exekutivrat), Nicolas Glasson (Bischofsvikar Deutschfreiburg), Verena Jost (Vereinigung der Pfarreien), Arnold Schöpfer (Vereinigung der Pfarreien), Marianne Pohl-Henzen (Adjunktin im Bischofsvikariat Deutschfreiburg), Simone Cotting (Sekretariat Bischofsvikariat Deutschfreiburg))

Bildungszentrum Burgbühl

Auch Marius Hayoz, Leiter des Bildungszentrums Burgbühl (BZB), ist mit Einsparungswünschen konfrontiert. 2015 erhielt das Bildungszentrum von der Körperschaft noch Fr. 144‘930. In einem Brief vom 23. Juni habe der Exekutivrat sein Ansinnen mitgeteilt, diesen Betrag um Fr. 94‘930 zu kürzen auf Fr. 50‘000. Marius Hayoz wies darauf hin, dass das BZB eine Übergangszeit von zwei Jahren brauche, um den Betrieb so umzustellen, dass es die fehlenden Beträge selbst erwirtschaften könne. Da diese vorgesehen Sparmassnahmen von der Versammlung der Körperschaft beschlossen werden müssen, wurden alle Vertreterinnen der Pfarreien und Seelsorgeeinheiten eingeladen, vor Ort zu eruieren, inwieweit sie das BZB weiter tragen möchten. Urs Jost, Vertreter des Exekutivrats, nahm sich des Anliegens an, diese anvisierten Einsparungen beim BZB noch weiter im Exekutivrat zu diskutieren. 

Text und Bilder: Christina Mönkehues, Informationsbeauftragte des Bischofsvikariats Deutschfreiburg, 29.06.15. 

 

Weitere Informationen

Marianne Pohl-Henzen, marianne.pohl@kath-fr.ch