Überraschend positive Bilanz der Rechnung 2016

Freiburg, 10. Juni 2017. Zur 75. Plenarsitzung traf sich am Samstagmorgen die Versammlung der katholischen kirchlichen Körperschaft des Kantons Freiburg (kkK) im Saal von Christ-König in Freiburg. Neben der Diskussion diverser Motionen wurde vornehmlich die Rechnung 2016 präsentiert, die einen Ertragsüberschuss von fast einer halben Millionen Franken aufweist.


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Es kam anders als geplant: Während der Voranschlag ein ausgeglichenes Budget vorsah, weist die Rechnung der kkK bei einem Aufwand von Fr. 10'824'226.89 einen Ertrag von Fr. 11'295'354.12 auf, was einem Ertragsüberschuss von Fr. 471'127.23 entspricht.

Hohe Einnahme aus Quellensteuern und Ersparnisse in Dienststellen

Im Budgetvorschlag war festgelegt worden, die im Kirchenstatut festgelegte Ausgabenbremse für 2016 von 12.5% auf 13% zu erhöhen, d.h. die Pfarreien entrichteten 13% ihrer Einnahmen aus den Kirchensteuern an die Körperschaft, was einem zusätzlichen Betrag von Fr. 246'240 entsprach. Allerdings wurde dieser Beitrag letztlich doch gedeckt durch Einnahmen, die nicht vorhersehbar waren: deutlich höher ausfallende Quellensteuereinnahmen (Fr. 149’000 mehr als veranschlagt), Rückerstattungen der Erwerbsersatzversicherung in Krankheitsfällen, die Teilübernahme von Kosten für eine Ausbildung eines ehemaligen Mitarbeiters durch den neuen Arbeitgeber und auch die externe finanzielle Unterstützung eines kranken Priesters, dessen Krankentaggeldentschädigung ausgelaufen war. Zusätzlich wurden fast Fr. 200’000 eingespart in verschiedenen Dienststellen bzw. im Übergang zwischen Neuzugängen und Weggängen von Mitarbeitenden. «Es handelt sich nicht um wirkliche Einsparungen», hält der Bericht der Geschäftsprüfungskommission dazu fest und kommentiert mit Blick auf die Ausgabenschwankungen im Zusammenhang mit ausscheidenden Mitarbeitenden oder mit Versicherungsleistungen wegen Krankheitsfällen: «(…) vorhergesehene Arbeit wurde nicht verrichtet, was auf pastoraler Ebene natürlich keine gute Sache ist».

Aufteilung des Überschusses

Wie der Überschuss verwendet werden soll, wurde rege diskutiert. Die Versammlung einigte sich auf die folgende Aufteilung:

  • Fr. 34’300 werden dem Bistum als Zusatzzahlung der Subvention 2017 gewährt, da im Budget 2017 dem Antrag des Bistums nicht vollumfänglich entsprochen wurde.
  • Fr. 33’500 wird der RKZ als Zusatzzahlung der Subvention 2017 gewährt, da auch hier der angefragte Betrag nicht vollumfänglich gezahlt wurde. Exekutivratspräsident Georges Emery erinnerte in diesem Punkt die Delegierten, dass es sich hierbei um einen wichtigen Beitrag für nationale Aufgaben handle und dieser auch Zeichen der Solidarität zwischen den Kantonen sei. Gleichzeitig profitiere der Kanton Freiburg regelmässig von den Zahlungen der RKZ.

  • Fr. 74’941 werden als einmalige Prämie an die Mitarbeitenden der kkK und der KBP im Juli 2017 überwiesen (entspricht einer Zahlung von Fr. 700 bei einer 100% Anstellung), die in den letzten Jahren wegen Einsparungen keine Lohnstufenerhöhung erhalten hatten.
  • Mit Fr. 12'000 werden zwei Freiburger Wallfahrten nach Sachseln/Flüeli/Ranft unterstützt: die kantonale zweisprachige Wallfahrt der Stiftung für das Wohnhaus der Familie von Flüe sowie die Deutschfreiburger Wallfahrt.
  • Mit Fr. 50’000 wird eine Reserve für die Weiterbildung der Fachstelle Gesundheit gebildet. Der Bischofsvikar des französischsprachigen Teils Rémy Berchier erläuterte, dass mit dem Betrag das Wissen und Können der 200 Ehrenamtlichen und der 19 Seelsorgenden in Altersheimen und Spitälern des ganzen Kantons verbessert werden soll.
  • Mit Fr. 50’000 wird eine Reserve für die Fachstelle Kommunikation gebildet, die zur Abklärung und Schaffung eines stärkeren und den heutigen Anforderungen gewachsenen Dienstes für Kommunikation dienen sollen. Ein externes Audit der Kommunikationsdienste beider Sprache hat bereits stattgefunden.
  • Mit Fr. 60’000 wird eine Reserve für punktuelle Aktivitäten der gemeinsamen Fachstelle Solidarität gebildet.
  • Die Summe von Fr. 156’000 wird zur Verminderung der Pfarreibeiträge 2018 bestimmt.
  • Der Saldo von Fr. 386.23 wird den Eigenmitteln zu deren Erhöhung zugewiesen.

Die Schaffung von Reserven im Bereich Gesundheit, Kommunikation und Solidarität ist schon eine Auswirkung der Umfrage zu den pastoralen Bedürfnissen, die 2016 im französischsprachigen Kantonsteil durchgeführt wurde und den Wunsch der Teilnehmenden nach Stärkung dieser Bereiche zu Tage förderte. Ebenfalls soll die deutschsprachige Seite von dieser Schwerpunktsetzung profitieren. Auch im deutschsprachigen Teil des Kantons befasst man sich zurzeit mit der Pastoralplanung. Über geplante Strukturänderungen wird noch im Juni informiert werden.

Geschäftsbericht des Exekutivrats

Die Versammlung nahm ebenfalls den Geschäftsbericht des Exekutivrats für das Jahr 2016 an, nachdem der Präsident Georges Emery an die wichtigsten Themen erinnert hatte, die im letzten Jahr behandelt worden waren: die Suche nach neuen Räumen, Besuche in verschiedenen Seelsorgeeinheiten des Kantons, Vorarbeiten an Reglementsänderungen und eine sehr aktive Beteiligung an Projekten im Zusammenhang mit Pfarreifusionen. Ferner wurde auch der Tätigkeitsbericht der Justizkommission für das vergangene Jahr bestätigt; der Exekutivrat wurde im Zuge dessen beauftragt, die Frage nach einer kantonalen Rekursinstanz für Gerichtsverfahren zu prüfen.

Motionen und geplante Reglementsänderungen

Die vom Präsidenten der Geschäftsprüfungskommission, Walter Buchs, im Herbst 2016 eingereichte Motion, das Büro der Versammlung aufzuheben und die Aufgaben dem Exekutivrat zu übergeben, war von der Versammlung im Dezember 2016 angenommen worden. Der Exekutivrat nahm nun dazu Stellung und legte eine Überarbeitung des Reglements vor, das eine Auflösung des Büros vorsieht, wobei allerdings das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten erhalten bleiben soll, um die Gewaltentrennung aufrechtzuerhalten. Da die Versammlung und das Büro allerdings noch einige Punkte als problematisch beurteilten, wird eine Spezialkommission sich noch einmal mit der Überarbeitung des Reglements beschäftigen.

Eine weitere Motion von Walter Buchs sieht vor, die Regelung zur Ausgabenbremse zu überarbeiten. Der derzeit festgelegte Satz von 12.5% führe leicht zu Blockaden, wenn es Veränderungen bei der Finanzierung der kirchlichen Aufgaben gebe – fixe Zahlengrössen sollten daher nicht Teil der Verfassung, sondern Gegenstand von Beschlüssen und Dekreten sein. Gleichzeitig stelle sich die Frage, wie neue Aufgaben dauerhaft finanziert werden sollen, wenn die Finanzierung nur jeweils durch punktuelle Anhebung des Satzes für ein Jahr möglich seien. Die Versammlung willigte ein, in die Motion einzutreten, wodurch nun der Exekutivrat die Aufgabe erhält, das Anliegen näher zu prüfen und konkretere Vorschläge zu erarbeiten.

Das Bedürfnis nach einem Reglement zur Übernahme der Finanzierung von überpfarreilichen Aufgaben formulierte die Delegierte der Pfarrei Düdingen, Yvette Haymoz, in ihrer Motion und forderte, solches Reglement innert der nächsten 6 Monate auszuarbeiten. Georges Emery verwies darauf, dass in der Legislaturperiode bis 2018 die Erarbeitung eines solchen Reglements vorgesehen sei, aber der Arbeitszeitraum von sechs Monaten zu knapp angesetzt sei, woraufhin die Delegierte ihre Motion zurückzog.

Versammlung der KBP

Ebenfalls tagte am Vormittag die Versammlung der Kasse für die Besoldung der Pfarreiseelsorger des Kantons Freiburg (KBP). Bei einem Ertrag von Fr. 12‘598‘028.88 und einem Aufwand von Fr. 12‘589‘407.76 wurde 2016 ein Ertragsüberschuss von Fr. 8‘621.12 erzielt. Die Versammlung genehmigte die Rechnung und sprach sich dafür aus, den Überschuss den Eigenmitteln zu deren Erhöhung zuzuweisen. Am 31. Dezember waren im Kanton Freiburg 60 Priester im Amt, 46 befanden sich im Ruhestand und 98 LaienseelsorgerInnen waren angestellt, davon sechs in Ausbildung.

Wichtige Termine

Am Ende wies die Adjunktin im Bischofsvikariat Deutschfreiburg, Marianne Pohl-Henzen, noch auf zwei Termine hin. Am Freitag, 30. Juni, findet in den neuen Räumlichkeiten der Kath. Kirche im Kanton Freiburg (Bd. de Pérolles 38, Freiburg) von 14.00 bis 19.00 Uhr ein zweiter Tag der offenen Tür statt. Die zweisprachige Einsetzungsfeier für die neuen Bischofsvikare Freiburgs, P. Pascal Marquard und Jean Glasson, wird am 1. September um 18.00 Uhr in Christ-König gefeiert.

Christina Mönkehues-Lau,
Informationsbeauftrage des Bischofsvikariats Deutschfreiburg