Stellungnahme zur geplanten Bürgerwehr

Am 22. Februar haben die Evang.-Ref. Kirche im Kanton Freiburg und das Bischofsvikariat Deutschfreiburg eine Stellungnahme veröffentlicht zur beabsichtigten Schaffung einer Bürgerwehr durch die IG Guglera.

Guglera

In Medienberichten vom 18. Februar 2017 (Freiburger Nachrichten) und 21. Februar 2017 (La Liberté) wird darüber orientiert, dass die „IG Guglera" beabsichtige, eine Bürgerwehr ins Leben zu rufen. Ziel sei es, Schutz zu bieten vor Asylsuchenden, die im geplanten Bundesasylzentrum „Guglera" in Giffers untergebracht werden sollen.

Die Verantwortlichen der Evang.-Ref. Kirche des Kantons Freiburg und des Bischofsvikariats Deutschfreiburgs haben diese Ankündigung mit Besorgnis zur Kenntnis genommen und lehnen dieses Vorgehen ab.

Es gilt einerseits als Grundsatz festzuhalten, dass die Verantwortung für die Sicherheit der Bürger/innen unseres Landes durch verfassungsmässigen Auftrag ausschliesslich beim Staat liegt. Diese staatliche Funktion soll nicht durch private Initiativen hintergangen werden.

Wir stellen andererseits fest, dass durch diese Ankündigung ein Klima des Misstrauens und der Angst geschaffen wird. Dies kann zur Lösung der drängenden Fragen und Herausforderungen im Migrationsbereich nicht als hilfreich und zielführend betrachtet werden. Die Erfahrungen mit anderen Bundeszentren für Asylsuchende in der Schweiz zeigen, dass mit vernünftigen und menschenorientierten Massnahmen die Sicherheit sowohl der Menschen, die vorübergehend in einem Asylzentrum weilen, wie auch der Anwohner/innen durchaus gewährleistet werden kann. Die Ängste von Anwohner/innen nehmen wir wahr, aber sind auch überzeugt, dass diese durch den Austausch und die Begegnung abgebaut werden können.

Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, die Rechte und Würde des Nächsten zu bewahren. Im Besonderen ist es der Auftrag der Kirchen, ihre Stimme als Wächterin christlicher Grundwerte in der Gesellschaft zu erheben. Zu diesen Grundwerten zählen insbesondere die Unterstützung und der Einsatz zugunsten der schwachen und benachteiligten Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie werden durch Tendenzen der Abschottung und der Ablehnung des Fremden ernsthaft in Frage gestellt.

Wir freuen uns darüber, dass in den letzten Monaten vielerorts Initiativen und Gruppen gewachsen sind, die sich im Sinne des Evangeliums für die Menschen auf der Flucht und der Suche nach einem menschenwürdigen Leben einsetzen und so konkrete Friedensarbeit leisten. Wir danken allen diesen Gruppen für ihren Einsatz und ihr Engagement.

Freiburg und Murten, den 22. Februar 2017
 
Für das Bischofsvikariat Deutschfreiburg
Bischofsvikar Mgr Alain de Raemy
 
Für die Evang.-Ref. Kirche des Kantons Freiburg 
Pfr. Pierre-Philippe Blaser
 
Präsident des Synodalrates
Pfr. Andreas Hess
Synodalrat / Ressort «Diakonie»

(Bild: www.guglera.ch)