Wenn «Mission impossible» eine ganze Diözese vereint

An die 400 Priester, Seelsorger und Seelsorgerinnen des Bistums von Lausanne, Genf und Freiburg haben sich vom 4. bis 6. Oktober in der Palexpo (GE) zur diözesanen Weiterbildung versammelt. Mit dem Thema „An die Ränder gesandt – mission impossible“ und ausgehend vom apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus wurden die Grundlagen ihres Auftrages reflektiert: Begleitet von zahlreichen persönlichen Aussagen wurde die Zusammenkunft mit dem Aufruf zu lokalen Reflexionen beendet.

Es ist heutzutage schwierig, seinen Glauben zu zeigen, ohne lächerlich zu wirken. Warum? Die Menschen glauben uns zu kennen, aber was wissen sie wirklich von uns Katholiken? Wie sprechen wir sie an? Wie gelangen wir «an die Peripherie», wozu uns der Papst einlädt? Viele Fragen belebten die Hallen der Palexpo, wo die alle drei Jahre durchgeführte Weiterbildung stattfand.

 

«Heilige Unzufriedenheit»

 

Im Zentrum der Diskussionen der diözesanen Weiterbildung 2016 standen Selbstkritik und das Sich-Hinterfragen. Die Kirche besteht aus einer Vielzahl von Menschen, die sich nicht selber ausgewählt haben, die verschiedene Charakterzüge aufweisen, wo Spannungen auftreten können. Dabei lebt die Kirche, wenn sie fähig ist, mit diesen Spannungen umzugehen, wenn sie gemäss Papst Franziskus fähig ist, eine „multiforme Einheit" zu bilden.

 

Die pastorale Unzufriedenheit kann sich also auch heilsam auswirken. Dies wurde von mehreren Priestern und Seelsorgern betont, welche sowohl die schönen als auch die schwierigen Momente hervorhoben. In seiner Aussage gestand ein „Priester vom Land", vor einigen Jahren in seinem pastoralen Leben eine grosse Müdigkeit empfunden zu haben, das zu wenig gelebt wurde, gegenüber belastenden administrativen Aufgaben und gegenüber des Unverständnisses zwischen der Botschaft der Kirche und den Erwartungen der Gläubigen. Vor der ganzen Versammlung hat er seinen Brief, adressiert an den Bischof von damals, vorgelesen. Ein Schreiben, das niemals abgeschickt wurde, und in welchem er sich als „Schauspieler in einem schlechten Theaterstück" sieht. „Was würde ein Nicht-Katholik wohl sagen, wenn er die Messe besucht und einen Mann in einer weissen Robe sieht, der allein vor drei betagten Leuten spricht, welche in der letzten Reihe sitzen, und einige versteckte Sänger auf einer Tribüne? Heutzutage muss man einen Ort für wirkliche Treffen schaffen."

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Sich dezentrieren

 

Wir irren uns, wenn wir die Pfarrgemeinschaft in den Mittelpunkt setzen. Die Kirche dürfe sich nicht auto-referenziell sehen, wird am Ende der Session ausdrücklich hervorgehoben. Es ist Christus, der im Zentrum steht, und er selbst wird dezentrieren. Die Katholiken müssen die Menschen mit der Aufwärtstendenz da abholen, wo sie sind. Der französische Theologe und Referent Xavier Simon bringt eine bedeutsame Dezentrierung zur Sprache: es war sein Schwiegervater, ein Atheist, der ihn in seinem Glauben bestärkte.

 

Sich dezentrieren heisst ebenfalls, allen ein pastorales Umdenken zu erlauben, auch von Arbeitsgruppen und Pfarrgemeinschaften. Ein weiterer Beweis der Dezentrierung: die Seelsorger tauschten sich während den Ateliers zu den Klängen von SOS, der französischen Sängerin Indila, weit weg von gregorianischen Klängen, aus.

 

Ökumenische Annäherung

 

Elisabeth Parmentier, lutherische Theologin, hat die Ähnlichkeit der Schwierigkeiten, auf welche Reformierte und Katholiken stossen wenn sie ihren Glauben leben und bezeugen sollen, hervorgehoben. Um die Mission der Kirche zu vereinfachen, spricht die Professorin für praktische Theologie an der Universität Genf die Notwendigkeit der Kohärenz an: die Gläubigen sollen in ihrem Tun kohärent sein, um eine Resonanz beim anderen erklingen zu lassen. Andererseits ist die Wichtigkeit der Sprache für sie ausschlaggebend: die Sprache der Kirche kann Angst machen; es gilt also Analogien zu finden, welche die Uneingeweihten ansprechen. Schliesslich soll die Sichtbarkeit der Kirche nicht im Spektakulären sondern in ihrer Qualität bestehen.

 

Mission impossible … die Rückkehr?

 

Anstatt auf die Session zurückzukommen, wiederholt Mgr Morerod, Diözesan-Bischof, dass man sich, wenn der Christ im Zentrum steht und nicht die Struktur, die Frage stellen muss: Würde man es bemerken, falls einige Strukturen verschwinden? Als Beispiel führt er die kürzliche Auflösung von acht Kommissionen der Schweizerischen Bischofskonferenz an und wirft die Frage in die Runde, ob dies jemand bemerkt habe. Es ertönt Gelächter, und niemand ist im Bilde. Er hebt ein weiteres Hindernis hervor, das sich kontinuierlich vermehrt im Pastoralleben: die Gewohnheit. Das Argument: «Hier haben wir das immer so gemacht» ist das beste Mittel, um eine Gemeinschaft sterben zu lassen. Er beruft sich auf «verrückte Ideen», welche für die Dynamik von grossem Nutzen sind. Als Beispiel führt er das verrückte Konzept von Swatch an, welches die schweizerische Uhrenindustrie neu belebt hat.

 

Bischof Morerod lädt die Kantone der Diözese ebenfalls zu einem Synodal-Prozess ein– der sich im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg in der Anfangsphase befindet. Man sollte sich über die brauchbaren oder sinnlosen Strukturen klarwerden.

 

Zur Frage der Strukturen fügt der Bischof eine letzte Botschaft betreffend einer Umfrage über die Neugliederung des Bistums an. Nach Konsultation der Pastoralassistenten hat sich herausgestellt, dass niemand wirklich vom „Ja" oder vom „Nein" überzeugt ist, ohne auf die Befürchtung einzugehen, die Pastoralassistenten in einem kleinen Territorium einzuschliessen, wo sie sich nicht mehr bewegen können. Aus Sicht des Bischofs ist es besser, diesen Schritt der Neugliederung des Bistums nicht auszuführen aufgrund der Skepsis der betroffenen Personen (und zwar diejenigen, welche diese Veränderung zu tragen haben). Umso mehr konnte der Bischof am Ende der Session die zahlreichen positiven Aspekte der Reichhaltigkeit der Diözese hervorheben, der wahre Reichtum.

 

Die letzte diözesane Session fand im Oktober 2010 in Freiburg rund um das Thema des Sonntags statt. Sie wird von der Pastoralplanung organisiert.

 

Fribourg, den 7. Oktober 2016

Kommunikationsstelle der Diözese / Laure-Christine Grandjean

 

Pastoralplanung

Die Pastoralplanung wird vom Bischof beauftragt zur Erarbeitung von Pastoralprojekten und für die diözesane Koordination der Seelsorgeeinheiten (SE: Zusammenschluss von Pfarreien) und der Pastoralassistenten (Priester, Diakone, Laien).

 

Die Dokumente finden Sie in Kürze auf http://www.diocese-lgf.ch/eveche/planification-pastorale/session-diocesaine-2016.html