„Das ist wie ein Wunder!"

Seit 10 Jahren führt "Tischlein deck dich" in Freiburg wöchentliche Lebensmittelabgaben durch und unterstützt damit Familien mit knappem Haushaltsbudget.


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Donnerstags um kurz vor 10.00 Uhr wird es im Keller des Franzis­kanerklosters geschäftig: Vor allem Frauen mit Einkaufswägen in allen Grössen und Farben versammeln sich in einem Wartebereich des Kel­lers, während eine Gruppe von Frei­willigen an einer Fülle von Produk­ten entlangschreitet und von der Tagesverantwortlichen eingeführt wird, welche Lebensmittel Manor Freiburg, Prodega, Tischlein deck dich und die Schweizer Tafel in die­ser Woche geliefert haben. Möhren, Äpfel, Limonaden, Brot, Konserven, tiefgekühltes Fleisch und sogar ein paar Kosmetikartikel wurden an die­sem Donnerstag geliefert. „Knapp 700 Kilo bekommen und verteilen wir jede Woche", so Karl Fäh, pen­sionierter Lehrer, der sich seit 9 1/2 Jahren für das Projekt engagiert und damit fast ein Freiwilliger der ersten Stunde ist. „Damit können wir wö­chentlich 45 Haushalte mit ca. 200 Personen unterstützen.” Die Sozial­hilfestellen der Stadt Freiburg und des Sensebezirks sowie Caritas und Winterhilfe stellen den bedürftigen Familien eine Bezugskarte aus, die bis zu einem Jahr gültig ist.

Mit Lebensmitteln Familien unterstützen

Alle Produkte, die hier zusammen­getragen werden, sind tadellos. Manche stehen vielleicht kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbar­keitsdatums oder sie stammen aus Überproduktionen und wären da­her eigentlich vernichtet worden. Die 1999 gegründete Organisation „Tischlein deck dich”, ein konfessi­onell und politisch unabhängiger Verein, hat es sich zur Aufgabe ge­macht, diese Lebensmittel sinnvoll einzusetzen. „In der Schweiz wan­dern jährlich zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel in den Abfall. Andererseits leben in unse­rem Land fast eine Million Menschen an oder unter der Armutsgrenze”, so die Organisation. Seit April 2006, also seit zehn Jahren, findet eine wöchentliche Lebensmittelab­gabe auch in Freiburg statt. Damit hilft „Tischlein deck dich" Familien mit einem knappen Haushaltsbudget, über die Runden zu kommen. Sr. Pia Humbel, Ordens­schwester vom Hl. Vinzenz von Paul, und Pater Hans Kaufmann von den Franziskanern initiierten damals das Projekt zusammen mit Bénévoles.

"Hier kann ich noch etwas lernen"

Rund 30 Freiwillige engagieren sich derzeit im Projekt. Eine von ihnen ist Leila Benguerel. „Ich bin sonst den Tag über im Büro. Daher geniesse ich den Austausch hier. Die Gesprä­che mit den Leuten sind spannend. Und später sieht man sich vielleicht mal in der Stadt. Oder die Leute winken mir im Bus zu, weil sie mich schon kennen.” Dass die Nahrungs­mittel, die hier verteilt werden, sonst weggeworfen würden, ist für sie nicht nachvollziehbar. Auch Lê Wolf schätzt sehr, dass hier noch etwas Sinnvolles mit den Produkten ge­schieht. Ausserdem mag sie den interkul­turellen Austausch: „Manchmal gibt es Lebensmittel, die ich nicht kenne. Dann frage ich die Leute, was sie da­raus kochen. So kann ich auch noch etwas lernen!”

Jede Person, die kommt, um Nahrungsmittel zu erhalten, wird persönlich durch das Angebot geführt. Genau wird vorher ausgerechnet, wie viel jeder von welchem Produkt bekommen kann, damit es für alle reicht. „Als ich das erste Mal hier war, habe ich gedacht: Das ist ja ein Wunder von Gott!”, erklärt mir eine junge Frau aus Togo, während sie die Lebensmittel platzsparend verpackt.

„Tischlein deck dich” sucht noch weitere, möglichst zweisprachige Freiwillige, die sich am Donners­tagvormittag für zwei Stunden engagieren. Bitte melden Sie sich bei Karl Fäh (026 402 56 84, karlfaeh@ swissonline.ch)

Text und Bilder: Christina Mönkehues