Interimslösung für die Zukunftsgestaltung des BZB

Freiburg, 15. März 2016. Einen überraschenden Ausgang fand die Delegiertenversammlung des Bildungszentrums Burgbühl (BZB), die am Montagabend im Forum des Hauses stattfand. Konfrontiert mit dem Rücktritt des gesamten Stiftungsrates stimmten die Delegierten für eine Interimslösung, die vorsieht, die Aufgaben des Stiftungsrates begrenzt auf neun Monate einem Dreiergremium aus Vertretern der Vereinigung der Pfarreien, des Exekutivrats der katholischen kirchlichen Körperschaft und des Bischofsvikariats zu übergeben.

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen", so hiess es im Jahresbericht des Präsidenten des Stiftungsrates, André Schmutz, der in seiner Abwesenheit von der Präsidentin der Delegiertenversammlung, Angela Iff-Valvasori, vorgetragen wurde. Neu ausrichten müsse sich das Bildungszentrum, da man im letzten Jahr mit schwierigen Änderungen konfrontiert gewesen sei. Im Juni 2015 sei seitens der katholischen kirchlichen Körperschaft signalisiert worden, dass im Zuge von Sparmassnahmen Angestellte des Bildungszentrums ab Januar 2017 nicht mehr durch die Kirche bezahlt werden könnten; schon für das Jahr 2016 wurde die Beteiligung an den Lohnkosten von 93‘650.00 auf 40‘000 gekürzt. Gleichzeitig habe auch die Vereinigung der Pfarreien Kosten einsparen müssen: Statt bisher Fr. 60‘000 wurden dem Bildungszentrum Burgbühl seitens der Pfarreien 2015 nur noch Fr. 40‘000 zugesprochen. Im August habe das Bistum signalisiert, nicht am Stiftungszweck festzuhalten, um dem Stiftungsrat bei der Neuausrichtung des Hauses grössere Freiheiten zu geben. Bei einem Treffen mit den Vertretern des Bischofsvikariats, des Administrators des Bistums Jean-Baptiste Henry de Diesbach sowie Marius Hayoz (Direktor Burgbühl) und André Schmutz sei es am 4. März zur Klärung gekommen, dass die Stiftung allerdings „weiter im Dienst der katholischen Kirche von Deutschfreiburg stehe und ihr bei der Wahrnehmung der Aufgaben helfe" (Art. 2 der Statuten des BZB).

Als Konsequenz reichte am 7. März der Stiftungspräsident André Schmutz seine Demission ein, die anderen Stiftungsratsmitglieder folgten ihm und demissionierten ebenfalls auf einer Stiftungsratssitzung am 7. März. In seinem Demissionsschreiben betonte Schmutz, dass das Bildungszentrum mit den finanziellen Kürzungen und Streichungen nicht mehr überleben könne. Für eine nötige Ausrichtung erhalte der Stiftungsrat von der Kirche allerdings „nicht den nötigen Spielraum und Freiraum". 

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Nötige Präzisierungen

Anders beurteilt die Lage der Weihbischof und Bischofsvikar Alain de Raemy. Er präzisierte die Aussage des Bischofs zum Stiftungszweck insofern, dass die Stiftung Bildungszentrum Burgbühl natürlich eine kirchliche Stiftung bleibe, die zum Wohl der katholischen Kirche Deutschfreiburgs arbeite. Das Bistum habe sich allerdings von der Verpflichtung im Stiftungszweck gelöst, dass das Bildungszentrum Burgbühl verpflichtet sei, der Kirche, insbesondere dem Bischofsvikariat wie auch den Fachstellen, die Räumlichkeiten des Bildungszentrums zur Verfügung zu stellen (Art. 2 der Statuten des BZB). Mit dem Umzug dieser Stellen nach Freiburg auf Ende des Jahres gebe die Kirche dem Stiftungsrat den Freiraum, die Ressourcen des Hauses besser zu nutzen, z. B. indem man diese an zahlungskräftigere Institutionen vermiete und mit den Erträgen pastorale Projekte in Deutschfreiburg unterstütze. So präzisiere es auch ein Brief von Bischof Charles Morerod vom 11. März. „Die Stiftung Bildungszentrum Burgbühl wurde geschaffen, um die Kirche Deutschfreiburg in ihrer Arbeit und bei ihren Aufgaben zu fördern. Allerdings ist es in den letzten Jahren zur Aufgabe der Kirche geworden, die Stiftung durch finanzielle Beiträge zu fördern," so de Raemy. Dies könne sich die Kirche auf Dauer nicht leisten und sei daher offen für neue rentablere Lösungen für das Haus.

Interimslösung für die Umbruchsphase

Nach dem Rücktritt der Mitglieder des Stiftungsrates stellte die Pfarreipräsidentin von Gurmels und Vizepräsidentin der Vereinigung der Pfarreien, Jacqueline Häfliger-Bürgy, den Antrag, einem Dreiergremium die Aufgaben des Stiftungsrates ad interim für maximal neun Monate zu übergeben bis zur Wahl eines neuen Stiftungsrates. Als Vertreter empfahl sie Arnold Schöpfer (Präsident der Vereinigung der Pfarreien), Patrick Mayor (Mitglied des Exekutivrats der katholischen kirchlichen Körperschaft) und Marianne Pohl-Henzen (Adjunktin im Bischofsvikariat), die ihre Bereitschaft signalisiert hatten. „Wir müssen gerade in dieser Umbruchszeit den Betrieb sicherstellen und eine Neuausrichtung der Stiftung Bildungszentrum Burgbühl vorbereiten", erklärte Jacqueline Häfliger-Bürgy. Auch müsse man eine weitere ausserordentliche Generalversammlung für den Herbst organisieren, die Neuwahlen für den Stiftungsrat vorsehen.

Von den anwesenden 19 Delegierten sprachen sich 15 für den Antrag aus bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Beklagt wurde allerdings von mehreren Delegierten, dass sie vor der Sitzung weder von der Demission des Stiftungsrates noch vom Antrag auf eine Interimslösung informiert worden seien.

Rechnung 2015 und Budget 2016

Ebenfalls wurde bei der Delegiertenversammlung die Rechnung 2015 präsentiert, die mit einem Verlust von Fr. 15‘554.09 abschloss. Der Betriebsverlust lag ursprünglich bei Fr. 62‘677.69. Das Ergebnis konnte allerdings durch Einnahmen aus der Liegenschaftsrechnung (v.a. Mietzins aus einer Wohnung im Viktor-Schwaller-Haus) sowie betriebsfremde Finanzerträge (v.a. Kollekten der Pfarreien und ein gegenüber den Vorjahren um 5'000 Franken höherer Beitrag der Freunde des Bildungszentrums Burgbühl) verbessert werden. Sowohl die Revisoren wie auch die Delegierten bestätigten die Rechnung. Das Budget 2016, das ebenfalls von den Delegierten verabschiedet wurde, zielt auf ein Jahresergebnis von Fr. 15‘980.00. Einsparungen von Stellen führen 2016 zu Gehaltseinsparungen. Ebenso werden beim Wareneinkauf infolge der Umstellungen bei der Zulieferung Einsparungen erwartet.

Würdigung des Stiftungsrats

Der Bischofsvikar bedankte sich bei den Mitgliedern des Stiftungsrates für ihren jahrelangen Einsatz. Auch im Jahresbericht des Direktors des Burgbühls, Marius Hayoz, wurde dieses Engagement und die gute Zusammenarbeit mit dem Stiftungsrat betont und gewürdigt. 10‘464 Personen hätten im letzten Jahr im Bildungszentrum Burgbühl Kurse und Veranstaltungen besucht, 37,25% dieser Anlässe seien kirchlich gewesen. Die anschauliche Vielfalt der Angebote präsentierte Rita Pürro Spengler, Leiterin der Fachstelle Erwachsenenbildung QuerWeltEin, die in diesem Jahr zum letzten Mal zusammen mit dem Bildungszentrum Burgbühl ein gemeinsames Programmheft herausgegeben hat. Inwieweit die Fachstellen der Kirche Deutschfreiburgs noch weiter die Räume des Burgbühls für Veranstaltungen nutzen werden, liegt an der Neuorientierung des Bildungszentrums, für die in den nächsten Monaten neue Lösungen gesucht werden müssen.

Christina Mönkehues, Informationsbeauftragte des Bischofsvikariats Deutschfreiburg