Erfahrungsbericht: Vorstellung vs. Realität in Israel/Palästina

Sobald das Wort Israel in die Runde geworfen wird, fallen meistens Wörter wie Terroranschläge, Gefahr und Strenggläubigkeit. Das alles gehört zum Alltag dieses Landes, doch das ist nicht alles. Wir, eine Jugendgruppe der Pfarrei Murten, hatten das Glück, eine Woche im Heiligen Land zu verbringen und eigene Erfahrungen zu sammeln.

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Durch Treffen und Dialoge mit Einwohnern verschiedener Regionen konnten wir uns ein anderes Bild von Israel und Palästina machen. Ein Grossteil der Menschen denkt, dass es ein gefährlicher Platz auf Erden ist. Dies ist eine Tatsache, die jedoch manchmal fast in Vergessenheit geriet. Wenn man sich in der Wüste Juda oder bei Beduinen in Galiläa nahe Nazareth befindet, bekommt man vom israelisch-palästinensischen Konflikt so gut wie nichts mit. In der Umgebung und in grösseren Städten wie Bethlehem und Jerusalem, wo Armee und Polizei omnipräsent sind, wird man sich der alltäglichen Angst und Gefahr wieder bewusst. Sogar als Tourist wird einem manchmal etwas mulmig. In der Schweiz sind wir nicht daran gewöhnt, an fast jeder Strassenecke Soldaten anzutreffen.

Gelingender Dialog

Uns ist während der Reise aufgefallen, dass der Dialog zwischen Kleingruppen sehr wohl funktioniert. So waren wir gleich zu Beginn in einem von Israelis und Palästinensern gemeinsam geführten ökologischen Zentrum in der Wüste. Dieses EcoMe-Center verbindet Friedensarbeit und Zusammenleben mit Umweltschutz – ehemalige Soldaten und Kämpfer beider Seiten bewegen sich dort aufeinander zu.
Nach verschiedenen Etappen über die Berge Galiläas, den See Genezareth und die Geburtskirche in Bethlehem, kamen wir am Schluss in Jerusalem an. Auf dem Dach unseres Hotels in der Altstadt Jerusalems sahen wir sie alle Tür an Tür: Juden beten an der Klagemauer, über welche der blaue Felsendom mit seiner goldenen Kuppel der Muslime ragt, während von Westen her die Glocken der Grabeskirche, heiligster Ort der Christen, läuten. 

Hoffnung auf ein Miteinander

Die Altstadt Jerusalems zeigt uns, dass eine grosse Dichte von verschiedenen Religionen auf kleinem Raum einigermassen reibungslos ablaufen kann. Zwar warfen die vergangenen Unruhen und Attentate ihren Schatten auf die Bevölkerung, aber uns blieb vor allem folgender Eindruck: Wenn nicht ein Miteinander, so ist wenigstens ein Nebeneinander möglich. Die Hoffnung, dass eines Tages ein allgemeines Miteinander funktioniert, ist in vielen Menschen vorhanden. Mit viel Mühe und Toleranz von beiden Seiten, könnte dies vielleicht bald  zur Wirklichkeit werden.

Xenia Haberditz, 19 Jahre 


Interkulturelle Begegnungsreise 
Elf Jugendliche aus der Region Murten und Kerzers besuchten vom 17. bis 25. Oktober Begegnungsorte in Israel/Palästina und lernten verschiedene Kulturen kennen. Organisiert wurde diese Begegnungsreise von der katholischen Pfarrei Murten, zusammen mit der Jugendarbeit Murten-Morat und der Regionalen Fachstelle für Jugendseelsorge Deutschfreiburg. Neben Meditationen in der Natur und biblischen Vertiefungen an historischen Orten, vermittelten vor allem die direkten Begegnungen mit jungen Juden, Christen und Muslimen aus der Region einen vertiefenden, einmaligen Eindruck von diesem Landstrich voller Widersprüche. Durch eine Fotoausstellung, einen kleinen Videofilm und diesen Artikel möchten die Jugendlichen ihre Erfahrungen teilen.
Am 9. November werden die Jugendlichen ab 20.00 Uhr von ihrer Reise in der OS Murten berichten. Schon ab 19.00 Uhr kann man die interreligiöse Ausstellung anschauen.