SSEB Weihnachtsgeschichte 2018

Ein gelungenes Weihnachtsfest für den Bären! Betreute Mitarbeitende der Stiftung SSEB präsentierten vergangene Woche ihre Inszenierung eines Weihnachtswunders: Sie vereinten Hase, Bär, Jäger und Jagdhund an der Weihnachtskrippe zur gemeinsamen Feier mit der Heiligen Familie und den Engeln.

Es ist der Freitag vor Weihnachten. Die Französische Kirche in Murten ist feierlich geschmückt. Im Chor vorne reckt sich eine Tanne mit bunten Kugeln an den Ästen neben einer gedeckten Krippe. Daneben verhüllt ein weisses Tuch eine Art Höhle, ab und zu lugt verstohlen ein Bärenkopf hervor. Seltsame Dinge geschehen in den Bankreihen, eine Person mit einem Hundekopf sitzt da. Auch ein Jäger macht es sich bequem, samt Gewehr, umgeben von Engeln. Die Spannung ist fast schon mit Händen zu greifen – es scheint, als wären heute in der Kirche die Tiere los. Auf das aufgeräumte «Grüessech» des evangelischen Pfarrers Willy Niklaus von der ökumenischen Behindertenseelsorge erschallt ein fröhliches mehrstimmiges «Hallo» – es scheint demnach alles seine Ordnung zu haben. Das tierische Spektakel ist Teil der SSEB-Weihnachts-feier. Es erzählt die rührende Geschichte eines Bären, der bislang Weihnachten winterschlafbedingt immer verpasst hat und nur durch einen Zufall davon erfährt. Aufgeführt wird das Stück «Ein Weihnachtsfest für den Bären» von betreuten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der geschützten Werkstatt in Muntelier, die zur Stiftung des Seebezirks für Erwachsene Behinderte (SSEB) gehört.

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Gespielte Bildergeschichte

«Eigentlich stammt die Geschichte aus einem Bilderbuch – für unsere Bedürfnisse angepasst», erläuterte Willy Niklaus im Vorfeld im Gespräch mit dem «Murtenbieter». Die Schauspielerinnen und Schauspieler hätten keine Sprechrollen, sondern würden die Bilder darstellen, während andere die Geschichte vorlesen. «Es ist spannend, wie die Mitwirkenden mit ihrer Präsenz die Geschichte füllen», so Niklaus. Das Ganze sei aber immer mit vielen Ungewissheiten verbunden: «Es kann so oder so herauskommen – das weiss man nie so genau.»

Claudio Zeni begleitet die Feier auf dem Keyboard. Die Intermezzi hat der blinde Musiker laut Willy Niklaus selbst komponiert. «Es ist das erste Mal, dass wir ihn zur Weihnachtsfeier eingeladen haben.» Er habe aber bereits im Spital Murten ein Konzert gegeben. «Für seine Vorbereitung hatte er den elektronischen Text der Geschichte zur Verfügung», so Willy Niklaus.

Er und Regina Rüttner von der katholischen Behindertenseelsorge hätten das Krippenspiel bereits im Sommer ausgewählt. «Danach haben wir es den Mitwirkenden zweimal vorgelesen», erklärt Willy Niklaus dem Publikum. Darauf folgte die Probe am Morgen vor der Aufführung. «Damit ihr wisst, wie viel Übung wir haben», lacht er. Das schreckt die Schauspielerinnen und Schauspieler überhaupt nicht. Nach einer schweizerdeutschen Version von «Kum ba ya, my Lord» stürzen sie sich gleich in die Handlung: Ein Hase sieht sich plötzlich von einem Jäger mit Hund gejagt und flieht über die weisse Schneelandschaft – respektive einmal um das Kirchenschiff; das Hoppeln erfordert dar-um einiges an sportlicher Ausdauer von der Schauspielerin. Auch der Jäger muss sich anstrengen: Er trägt neben dem Gewehr einen schweren Rucksack mit Proviant und muss dazu noch ins Jagdhorn blasen. Plötzlich öffnet sich unter dem Hasen die Erde. Er fällt und landet auf etwas Weichem – dem Bären. Dieser wird dadurch aus einem wunderschönen Traum geweckt. Er träumte von einem Stall, Maria, Joseph, Engeln, Hirten, drei Königen und dem Jesuskind. Diese bilden einen feierlichen Reigen um die Krippe. Der Hase erklärt dem Bären die Bedeutung seines Traums und den Sinn von Weihnachten. Die beiden machen sich sodann hungrig auf, etwas zu Essen zu finden, und geraten dabei an den Jäger mit seinem Hund. Ganz im weihnachtlichen Geist von Friede und Versöhnung finden sie sich gemeinsam in einem warmen Stall wieder und teilen ihre Vorräte – in Anwesenheit des Christkindes. Der Traum des Bären wird zum realen Weihnachtswunder.


Musikalisch findet das Krippenspiel seinen Höhepunkt mit einem Solo von Nina Däppen. Sie singt «Es Truckli vou Liebi» – begleitet von Claudio Zeni. Der Nachmittag klingt aus mit dem Klassiker «Stille Nacht! Heilige Nacht!» – gemeinsam gesungen von Publikum und Mitwirkenden.            fko