Aufruf der Kirchen

Botschaft an die katholischen Pfarreien und reformierten Kirchgemeinden unseres Kantons

An die Präsidentinnen und Präsidenten der Pfarrei- und Kirchgemeinderäte

An die Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie an die Amtsträger

«Mein Nächster – ein Geschenk Gottes»

Die aktuellen Ereignisse machen uns besorgt und übersteigen das Vorstellbare. Doch die Grösse Gottes und sein Glaube an die Menschheit erfüllen uns mit Hoffnung und geben uns Halt.

Die Bilder der letzten Tage in den Medien weisen uns hin auf das Elend unzähliger Frauen, Männer und Kinder, die dem Grauen des Krieges und der Gewalt zu entkommen versuchten und die auf ihrem Weg durch Europa etwas menschliche Wärme zu finden hoffen.

Die Frohe Botschaft lädt uns ein zu Offenheit und Nächstenliebe.

Für die Katholiken kann der Aufruf des Papstes, den er an die Pfarreien und religiösen Gemeinschaften gerichtet hat, nicht ohne Antwort bleiben.

Im Geist der Ökumene haben die Verantwortlichen der katholischen und reformierten Kirchen unseres Kantons beschlossen zu handeln, aufzurufen, und sich im Namen Jesu und des Evangeliums zu engagieren, damit Fremde bei uns Aufnahme finden.

Deshalb rufen wir dringendst alle Pfarr- und Kirchgemeinden auf, möglichst schnell die Möglichkeiten abzuklären, wie Sie Ihre Türen und Ihre Herzen für die Flüchtlinge öffnen können. Es geht hierbei nicht nur um Lokalitäten, sondern auch und vor allem um einen menschlichen Empfang, um die Begleitung und die Bereitschaft zum Teilen. Es braucht nämlich beides: Lokalitäten und Begleitgruppen.

Dies ist ein Appell an Ihre Grosszügigkeit, unsere Güter mit denen zu teilen, die nichts mehr haben. Wir wissen, dass dies auch etwas kostet. Aber dies gehört zur Diakonie, einem Grundelement jeder christlichen Gemeinde.

Wir bitten Sie um eine längere Unterbringung, im Bewusstsein, dass dies schwieriger ist. Aber diese längere Unterbringung braucht es, damit sich die Leute nach einem langen Weg der Angst und Unsicherheit endlich wieder an einem Ort integrieren und Halt finden können. Dies ist vor allem für Kinder im Schulalter wichtig.

Natürlich bleibt es die Aufgabe des Staates, respektive der Direktion für Gesundheit und Soziales, dieses schwierige Dossier wie bisher zu verwalten. Die jüngsten Ereignisse haben uns aber dazu bewogen, Frau Anne-Claude Demierre, der zuständigen Staatsrätin, unsere Dienste anzubieten. Unser Vorschlag wurde denn auch mit dem Staat zusammen erarbeitet, der uns seine volle Unterstützung zugesagt hat und der uns den administrativen Teil abnehmen wird.

Dieser Appell ist wirklich dringend und wichtig. Wir bitten Sie, alles dafür zu tun, damit wir lebendige, offene und aufnahmefreudige Gemeinschaften sind und bleiben.

Mit herzlichem Dank für Ihre Überlegungen, Ihre Offenheit und Ihren Entscheid. Wir begleiten Sie alle mit unserem Gebet.


Mit freundlichen Grüssen

Pastor Pierre-Philippe Blaser, Präsident des Synodalrates der ev.-ref. Kirche Freiburg

Mgr Alain de Raemy und Marianne Pohl-Henzen für das Bischofsvikariat Deutschfreiburg

Rémy Berchier, Vicaire épiscopal pour la partie francophone du canton de Fribourg