Religionsunterricht

Religiöse Bildung ist in den verschiedenen Kantonen der Schweiz unterschiedlich organisiert.

In Deutschfreiburg hat der kirchlich verantwortete konfessionelle Religionsunterricht mit einer Lektion pro Woche seinen festen Platz in der Stundentafel der öffentlichen Schule. 

Manch einer mag sich vielleicht fragen, was denn die Kirche heute noch an der öffentlichen Schule zu schaffen hat. Auf der Suche nach einer fundierten Begründung für religiöse Erziehung in einer multikulturellen und multireligiösen Zeit liefert ein Artikel des bekannten Religionspädagogen Friedrich Schweitzer einige interessante Gedankenanstösse:

"Ein pädagogisch begründeter Religionsunterricht ist nicht davon abhängig, wie weit der Einfluss von Kirchen oder anderen Religionsgemeinschaften in der Gesellschaft reicht. Er ist vielmehr ein Recht des Kindes und der Jugendlichen, die eine Begleitung bei ihrer Auseinandersetzung mit elementaren Lebensfragen brauchen.

Religion und religiöse Begleitung als Recht des Kindes konkretisieren sich vor allem in folgenden Fragen:

  • Was bedeutet für mich Tod und Sterben? (Die Frage nach dem Sinn des Ganzen): Die Frage nach Tod und Sterben begegnet den Kindern ganz unausweichlich. Ein totes Tier, das sie auf der Straße finden, der Tod eines Verwandten oder einer Freundin, die lebensbedrohliche Krankheit der Mutter oder des Vaters  all dies sind Erfahrungen, mit denen sich Kinder und Jugendliche auseinandersetzen müssen. Und Kinder wollen auch wissen, wohin die Toten gehen, warum sie sterben mussten usw. Solche Fragen haben eine zumindest potentiell religiöse Bedeutung.
  • Wer bin ich und wer darf ich sein? (Die Frage nach der eigenen Identität): Identitätsbildung ist angewiesen auf die Anerkennung durch andere  zunächst durch Mutter und Vater, dann durch Erzieherinnen und Erzieher, Lehrer und Lehrerinnen, die Freundesgruppe usw. Die Suche nach Anerkennung geht aber hinaus über alle Bestätigung, die andere Menschen geben können. In der Erfahrung des menschlichen Ich liegt die Frage nach einem Gegenüber, das diesem Ich eine letzte, über alle endlichen Erfahrungen hinausweisende Anerkennung schenken kann.
  • Warum moralisch sein? (Die Frage nach dem Grund der Moral): Auch säkular eingestellte Moralpsychologen wie L. Kohlberg, die etwa im Anschluss an I. Kant entschieden für eine nichtreligiös begründete Ethik plädieren, haben erkannt, dass die Frage nach dem Grund der Moral letztlich auf den Bereich der Religion verweist.
  • Was bedeutet die Vielfalt der Religionen? (Die Frage nach der Religion des anderen): Schon im Kindergarten geraten Kinder manchmal in Streit darüber, welcher Gott besser sei  der christliche Gott oder Allah. Sind das eigentlich verschiedene Götter, oder wird derselbe Gott nur verschieden bezeichnet? Haben alle Religionen ein Stück weit recht oder sind am Ende alle gleichermaßen im Unrecht? Dazu kommt, dass die Religion des Fremden wohl immer noch das Fremdeste an ihm ist. Auch wo Döner längst gerne akzeptiert wird, können Minarett und Muezzin als höchst störend empfunden werden.
  • Was ist Gott? (Die Frage nach Gott): Auch Kinder, die im Elternhaus keine ausdrücklich religiöse Erziehung erhalten, stoßen hierzulande früher oder später auf das Wort Gott. Sie wollen wissen, was dieses Wort bedeutet  wer oder was Gott eigentlich ist. Jede bloß definitorische Erläuterung greift dann zu kurz. Schon von ihrem Weltbild her wollen Kinder auch wissen, was es mit Gott wirklich auf sich hat.

Solche Fragen, die allesamt nach einer  zumindest potentiell  religiösen und religionspädagogischen Antwort verlangen, gehören unvermeidlich zum Leben und Aufwachsen mit hinzu. Deshalb begründen sie ein Recht auf Religion und religiöse Begleitung."